Montag, 9. November 2009

Das rote Gold der Sarden - Safranfest in Villanovafranca im Süden von Sardinien

Die freiwilligen Helfer der knapp 1500-Seelen zählenden Gemeinde in der Marmilla Region im Süden von Sardinien hatten alle Hände voll zu tun: Sie gossen die "al dente" gekochten Malloreddus-Nudeln ab, gaben sie in eine breite Terrakotta-Schüssel und vermengten sie mit der duftenden Tomaten-Safran-Soße. Hinter ihnen schöpften zwei Männer das mit Zwiebeln und Kartoffeln gekochte Lammfleisch aus einem breiten Topf. Schließlich wurden die duftenden Köstlichkeiten auf unzähligen Tellern angerichtet. Die Besucher und Gäste in der langen Schlange freuten sich, denn es ging einen Schritt weiter gen köstlich würziges Mittagessen.

Am 8. November 2009 stand Villanovafranca ganz im Zeichen des kostbaren, roten Goldes. Dorfbewohner und Gäste trafen sich am Vormittag bei gutem Wetter auf dem zentralen Dorfplatz, erfuhren vieles über die gelbe Würze und konnten an den Ständen die eine oder andere Spezialität mit oder ohne Safran erstehen.
Hinter einem dieser Stände stand Ivan. Der dreißigjährige ist Safranbauer aus Villanovafranca. Neben dem teuren Gewürz verkaufte er noch einen sehr guten, aromatisierten, selbst hergestellten Myrthenlikör und in Olivenöl eingelegtes Gemüse, wie Kardendisteln, Artischocken und Chilischoten. Er freute sich: "Das Dorf ist voll" sagte er zufrieden, "hoffentlich regnet es nicht".

Das sah seine Nachbarin genauso. Sie stellte auf dem Safranfest ihre selbstgebackenen Süßwaren aus: Sospiri, Gueffos, Pabassinis, Pardulas, Amaretti, Tiliccas und Bianchini - alle mit dem gelben Färbemittel aromatisiert. „Es ist kalt“, meinte sie, „das könnte die Menschen heute Nachmittag davon abhalten aufs Fest zu kommen“.

So war es aber nicht. Am frühen Nachmittag verdichteten sich zwar die Wolken und nach kurzer Zeit setzte teils kräftiger Regen ein, das hielt jedoch kaum Besucher davon ab, sich den Schal enger um den Hals zu ziehen, der vorbeimarschierenden Folkloregruppe aus Ottana in sardischer Karnevalskluft (Boes und Merdules) zuzuschauen und leckeres, hausgemachtes Safran-Eis zu naschen.

Doch auch Archäologisches stand beim Safran-Fest ganz oben an. Das Städtchen in der hügeligen Marmilla-Region verwöhnt seine Besucher mit einem interessanten archäologischen Museum und einem außergewöhnlichem Nuraghen-Komplex.
Der Nuraghe Su Mulinu trohnt auf einem Hügel über dem Rio-Mannu-Tal nur wenige Meter außerhalb des Ortes. In der Festung finden sich die Formen zweier Deckengestaltungen: Die des Protonuraghen (eine Vorform der klassischen Kuppelnuraghen, auch Korridornuraghe genannt) und die des Kuppelnuraghen (Nuraghe mit Gewölbdecke, auch Tholosnuraghe genannt).

Doch das eigentliche Highlight des Su-Mulinu-Nuraghen ist der in der Anlage gefundene einzigartige, fein gearbeitete Altar aus der späten Bronzezeit (~ 10. Jahrhundert v. Chr.). Archäologen zogen daraus den Schluss, dass dieser Nuraghe nicht nur als Burg und Grabbau, sondern auch als Kultstätte Verwendung fand.
Die Nuraghenfestung, die im Laufe der Jahre mehrmals erweitert und umgebaut wurde, kann übrigens nur mit Führung besichtigt werden. Die im Nuraghen gefundenen Gegenstände sind alle im Museum in Villanovafranca ausgestellt.


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