Freitag, 22. Oktober 2010

Ognissanti und Commemorazione dei defunti: Neben Halloween-Feiern werden auf Sardinien auch alte Allerheiligen- und Allerseelen-Traditionen bewahrt

Auch auf Sardinien hat sich das Halloween-Feiern am Vorabend von Allerheiligen inzwischen eingebürgert.
Am 31. Oktober ziehen die Kinder vor allem in den größeren Städten schaurig verkleidet von Haus zu Haus und fordern die Bewohner mit „dolcetto o scherzetto“ (dt. Süßes oder Saures) auf, ihnen Süßigkeiten zu geben, weil sie ihnen sonst Streiche spielen.
Im Inland und in vielen Dörfern der Insel hat sich hingegen eine viel ältere Allerheiligen- und Allerseelen-Tradition als das amerikanische Halloween-Fest bewahrt: „Su Mortu Mortu“.
In Nuoro und der zentralsardischen Barbagia streifen die Kinder am Morgen von Allerheiligen durch die Orte und bitten um Almosen für die Verstorbenen. „Seu su mortu mortu“ jammern sie nachdem sie an den Haustüren geklopft haben, denn ihre Gebete und Fürbitten sollen das Leiden der Seelen im Fegefeuer erleichtern.
Doch auch in anderen Teilen der Insel wird dieser Brauch gefeiert. „Is Animeddas e Is Panixeddas“ oder „Su ‘ene ‘e sas ànimas” heißt er im Süden und an der Ostküste der Insel. „Seus benius po is animeddas“, „mi das fait po praxeri is animeddas“oder „carki cosa po sas ànimas” klagen die Kinder lautstark im Campidano und in der Ogliastra.
Der alte Glaube besagt, dass an Allerseelen die Seelen der Verstorbenen auf die Erde kommen. Daher werden Speisen für sie bereitgestellt, die ihre Qualen in der Hölle lindern sollen.
An Allerheiligen und Allerseelen werden vor allem „Pabassinas“, „Ossus de mortu“ und „Pani ’e saba“ gebacken, süße Plätzchen und ein buntes Früchtebrot. Neben dem Gebäck werden den Kindern vor allem Walnüsse, Kastanien, Haselnüsse, Mandeln, Granatäpfel und Orangen geschenkt. Dass sich heute unter die Spenden so manch ein Schokoriegel oder Geldstück mischt, ist schon fast eine Fortsetzung der alten Tradition, dass die Wohlhabenden der Städte zu Beginn der Wintermonate ein wenig ihres Reichtums auch mit den Ärmeren teilen.

Zum 1. und 2. November werden zudem die Gräber zu Ehren aller Heiligen und Verstorbenen geschmückt.

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