Donnerstag, 20. Januar 2011

Ausgelaufenes Schweröl verschmutzt Nordwestküste Sardiniens – Situation eine Woche nach dem Unglück unter Kontrolle

Nach einer Havarie im Hafen von Porto Torres im Nordwesten Sardiniens, bei dem letzte Woche nach offiziellen Angaben 20 Kubikmeter Schweröl ins Meer gelangt sind, ist das Unglück nach Medienberichten unter Kontrolle. In dem nordwestsardischen Industriehafen war am 11. Januar 2011 beim Löschen eines Öltankers Treibstoff ins Meer gelangt. Auf 16 Kilometern Küste, von Fiume Santo bis Sorso, wurden weite Strandabschnitte mit Ölklumpen verschmutzt. Nach umfangreichen Reinigungsarbeiten seitens des Kraftwerksbetreibers und freiwilliger Helfer seien die größten Schäden eine Woche nach dem Unglück beseitigt, versichert der Energiekonzern E.ON. Der deutsche Stromkonzern betreibt in Fiume Santo bei Porto Torres zwei Ölkraftwerke.
Ob es sich bei dem Unglück in Porto Torres um ein inzwischen unter Kontrolle gebrachtes Desaster mittleren Ausmaßes, eine Ölpest oder um eine Umweltkatastrophe handelt, darüber variieren die Darstellungen. Die ausgelaufene Menge Öl ist relativ klein, doch das Schweröl kann sich im Wasser um ein vielfaches seiner ursprünglichen Größe ausdehnen und so weite Teile der Küste und des Meeresbodens verschmutzen. Während die Präsidentin der Provinz Sassari, Alessandra Giudici, den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gebeten hat, über den Golf von Asinara den Umweltnotstand zu verhängen, behauptet der Kraftwerksbetreiber, die Situation sei unter Kontrolle. Weite Teile der Küste von Porto Torres bis Castelsardo sind nach Angaben von E.ON von der gröbsten Verschmutzung gereinigt. Wie die sardische Tageszeitung La Nuova Sardegna berichtet, wurden aber in den vergangenen Tagen Ölrückstände bis an der Küste von Santa Teresa Gallura im äußersten Nordosten Sardiniens gefunden. Reinigungstrupps seien bereits im Einsatz, so das Blatt weiter. In den kommenden Tagen sollen Tauchtrupps den Meeresboden vor Sardinien nach eventuellen Ölrückständen untersuchen. Erst dann können genauere Aussagen über die Ausmaße des Unglücks gemacht werden.



In der Zwischenzeit wird nach dem Schuldigen des Unglücks gesucht. Ob ein Leck in einer Ölleitung oder ein kaputter Öltank Schuld an dem Unglück sind, wird derzeit ermittelt. Überschattet werden die Untersuchungen von einer weiteren Havarie: Am Dienstag, den 18. Januar, lief mit Treibstoffresten verschmutztes Wasser aus einer alten Ölleitung, die Schadstoffe konnten aber von schwimmenden Barrieren weitgehend im Hafen eingegrenzt werden.
Das Unglück in Porto Torres hat eine große Zahl von Bürgern mobilisiert. Nicht nur Einsatzteams des Energiekonzerns E.ON, sondern auch zahlreiche Anwohner haben sich an den Säuberungsaktionen entlang der Küste beteiligt und die krebserregende Ölmasse von den Stränden geschaufelt und von den Felsen gekratzt. Die Aktionskünstler-Gruppe ex-Q hat mit einem großen Wal, der aus mit geborgenen Ölklumpen gefüllten Plastiktüten geformt wurde, auf die Umweltverschmutzung aufmerksam gemacht. Während die nationalen italienischen Medien nur am Rande von dem Unglück berichten, organisieren sich Umwelt- und Tierschützer im Internet und protestieren gegen das Vertuschen. Die Proteste richten sich vor allem gegen den deutschen Energiekonzern und die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen in Porto Torres, einem der wichtigsten Fähr- und Industriehäfen der Mittelmeerinsel.
Schon seit Jahren ist vielen Bürgern und Politikern die Kraftwerksgruppe im Nordwesten Sardiniens ein Dorn im Auge. Die beiden Ölkraftwerke aus den 1980-er Jahren seien weder zeitgemäß noch mit dem Umweltschutz vereinbar, heißt es. Die Ölkraftwerke, die ihren Kraftstoff über Tankschiffe geliefert bekommen, liegen in Sichtweite zu einem der wichtigsten Naturschutzgebiete der Insel, dem Parco Nazionale dell’Asinara. Das einmalige Schutzgebiet wurde nur durch günstige Winde vor einer Katastrophe verschont. Ein Kohlekraftwerk ist in Porto Torres bereits genehmigt, aber noch nicht im Bau.

1 Kommentar:

  1. gut, dass sie nun auch über diese katastrophe vor der galluresischen küste und im golf von bonifazio berichten! ich hoffe, ihr beitrag findet viele leser und reaktionen. in der internationalen presse gibt es weiterhin keinerlei notiz über diesen vorfall und kein großes interesse am vorgehen der energiekonzerne an der sardischen küste.
    in meinem blogartikel: http://www.o-solemio.de/blog/tankerungluck-vor-der-kuste-von-sardinien-bei-porto-torres/
    fasse ich weiterhin so viele informationen zusammen, wie ich bekommen kann. grüße
    sigrid von o-solemio

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