Montag, 13. Juni 2011

„Bergwerke im Sonnenschein“: Neuer Reiseführer zu die ehemaligen Bergbaugebieten Sardiniens

In ein Sardinien weitab der Stereotype von Urlaubsinsel und Naturparadies entführt der Reiseführer „Bergwerke im Sonnenschein“.
Der von der Verwaltung des Bergbauparks „Parco Geominerario storico ambientale della Sardegna“ und der Journalistin Susanna Lavazza aufgelegte Band entführt den Leser mit tollen Bildern, Hintergrundinformationen und Anekdoten in die ehemaligen Bergbaugebiete, die weit über die an Bodenschätzen reiche Mittelmeerinsel verteilt liegen. Die ehemalige Montanindustrie Sardiniens ist heute fast ausschließlich stillgelegt und die alten Stollen, Abräumhalden und Lagerstätten werden langsam von der Natur zurückerobert oder wurden zu großen Freilichtmuseen umgewandelt. Der deutschsprachigen Band erzählt vom Ausverkauf des heutigen Naturparks der Costa Verde an Investoren aus Frankreich, Großbritannien und Norditalien, von den stillgelegten Gesteinswäschereien an der sardischen Westküste, in denen einst reiche Blei-, Zink- und Silbervorkommen abgebaut wurden und die Tausenden Kumpels aus ganz Europa Arbeit gaben. In kurzen Beiträgen berichtet der durchgehend farbig illustrierte Band zum Beispiel von den Glanzzeiten Buggerus, als der winzige Küstenort „kleines Paris“ genannt wurde und als einer der ersten Orte der Insel elektrischen Strom bekam und Kinos, exklusive Läden und Theater die weite Welt an die heute so einsame Südwestküste der Insel brachten. Beiträge zu den Kohlebecken des Sulcis, in denen einst der italienische Diktator Mussolini dank sardischer Kohle Italien zur Autarkie verhelfen wollte, und Informationen zu den Minen in Gadoni im Herzen Sardiniens, wo schon Nuraghen und Römer Blei, Zink, Eisen, Silber und Gold abbauten und das ganze antike Mittelmeer mit den Metallen aus Sardinien belieferten, runden den kulturellen Reiseführer ab.



Geschichten und Anekdoten aus den Minen von Guspini und Montevecchio, Erklärungen zu der Landungsbrücke von Porto Flavia dem vielleicht spektakulärsten Verladehafen der Insel, geben Tipps zu Ausflügen und Sehenswürdigkeiten fernab vom Strandurlaub. Aber natürlich dürfen Informationen zu den Küstenorten nicht fehlen, an denen man heute Badespaß und Industrie-Archäologie nebeneinander erleben kann: Die unendliche Dünenlandschaft von Piscinas und die ehemaligen Bergwerke von Ingurtosu sowie die Küste und das glasklare, von kobalt- bis türkisblaue Meer rund um die raue sardische Nordwestküste von Argentiera, wo einst ertragreiche Silberminen für einen bescheidenen Reichtum sorgten. Der kleine Führer ist an fast allen Verkaufsstätten der Parkverwaltung auf der Insel sowie beim Verlag zu bekommen.

Literatur und Reiseführer aus Sardinien

1 Kommentar:

  1. Komme gerade von einem Sardinienurlaub zurück und bestätige die Einzigartigkeit der Bergbaugeschichte und Atmosphäre vor Ort.
    Der oben beschriebene Führer ist sehr gut, indes auf Sardinien schwer erhältlich und wenn dann nur in italienisch und mit viel Glück in englisch.
    Traurig ist die Realität der Museumsbergwerke: 2002 - 2005 wurden 22 Mio Eur investiert von denen ein Grossteil vor sich hin vegetiert und verfällt.
    Zudem wurde der Museumsbetrieb Montevecchio am 22 April 2011 ohne Angaben von Gründen zum Ärger der Mitarbeiter und Bevölkerung eingestellt, und das bei 22.000 Besuchern pro Jahr.
    Die übrigen Standorte sind nicht viel besser dran, man kann mittlerweile kaum noch zwischen Ruinen und Museum unterscheiden.
    Der Eindruck bleibt, dass auch hier oberflächlich etwas geschaffen wurde und die Millionen verschwunden sind. Buggeru ist ein weiteres trauriges Beispiel.
    Termine für Führungen und Besichtigungen sind unbedingt unter den im Führer angegebenen Telfenonnummern zu erfragen. Vor Ort sind nur selten Hinweise sichtbar.
    Trotz alledem: ein Muss für den montanhistorisch Interessierten.

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