Dienstag, 26. Juli 2011

Chocabeck: Zucchero feierte gestern Abend sein neustes Album auf Sardinien und riss das Publikum in einen Strudel aus Erinnerungen und Blues-Nummern

Knapp neun Monate nach dem Erscheinen seines neuesten Albums Chocabeck hat Zucchero Fornaciari auf seiner World Tour in der Inselhauptstadt von Sardinien angelegt. Am Montagabend gab der italienische Bluesman mit Vorliebe für barocke Bühnenbilder auf dem Messegelände in Cagliari das erste von zwei Sardinienkonzerten.

Wochenlang hatten die Techniker auf dem Messegelände geschuftet, um die neue Arena in Form eines römischen Amphitheaters aufzubauen. Dass sie bei der Bühne für das Zucchero-Konzert eine Menge Kreativität freisetzten, zeigte schon der Auftakt: Die Legende des Bluesrock und seine Band kamen aus einem riesigen Koffer auf die Tribüne. Ein brauner Lederreisekoffer, randvoll gepackt mit Erinnerungen. Das zeigten die Kofferaufkleber und sein erstes Lied „Un soffio caldo“ in dem Kindheitserinnerungen wach wurden. Mit charismatischer Stimme folgten „Il suono della domenica“ und „Soldati nella mia città“ - aufwühlende Lieder mit Seele und Tiefgang. Er hatte es ja angekündigt: „Den Anfang und ersten Teil des Konzertes bildet das neue Album „Chocabeck“, das mich auf eine Reise zu den Wurzeln meiner Herkunft geführt hat“, hieß es im Vorspann, der zu Beginn des Konzertes auf einer kleinen Leinwand gezeigt wurde.
Die Musik des italienischen Rhythm 'n' Blues-Sängers ging schon nach wenigen Liedern direkt ins Blut. Nach dem dritten Lied blieb das Publikum nur mühsam auf den Stühlen sitzen, wiegte sich in den Hüften, klatschte im Rhythmus und ließ sich auch nicht lange zum Mitsingen bitten. Nicht nur die beeindruckenden Balladen, sondern auch die flotte Blues-Rock-Songs „Vedo nero“, „Un uovo sodo“ und der Titelsong „Chocabeck“, spiegelten das Back to the Roots auf ganz besondere Art und Weise wieder.
Wer aufmerksam zuhörte, entdeckte an diesem Abend mit "E’ un peccato morir“, „Oltre le rive", "Spicinfin boy“ und „God bless the child“ Bilder und Eindrücke aus Zuccheros Vergangenheit, denn die Songs des neuen Albums hat der Blues-Rocker aus Reggio Emilia unerwartet nah an seiner Kindheit gebaut.
Als er mit „Bacco perbacco“ den zweiten Teil des Konzertes ankündigte und mit explosiver, entfesselter Stimme seine größten Erfolge der letzten Jahre wie „Baila“, „Overdose d’amore”, “Dune mosse”, „Libidine“ und „Diavolo“ sang, gab es kein Halten mehr. Viele drängten nach vorn und tanzten begeistert vor der Bühne.
Es ging auf 23.40 Uhr zu, als Zucchero die unersättlich begeisterte Menge nach mehr als zwei Stunden mit vier Zugaben, unter anderem mit „Miserere“, eine Hommage an den 2007 verstorbenen Tenor Luciano Pavarotti, mit dem er dieses Lied gemeinsam gesungen hatte, und einem lauten „Ciao Cagliari“ nach Hause entlies.

Den Namen seines neusten Albums "Chocabeck" hat Zucchero von einer dialektalen Redensart seines Vaters abgeleitet, die er immer während seiner Kindheit hörte. „Chocabeck“ (schioccabecco) bezeichnet das laute, rhythmische Schnabelklappern bei Jungvögeln. Sein Vater benutzte das Wort immer, wenn er in beschönigender Weise sagen musste, dass es nichts zu Essen gab.
Der dialektale Ausdruck „Spicinfrin“, des gleichnamigen Songs, stammt hingegen von seiner Großmutter, die ihn damit liebevoll einen netten doch turbulenten Wildfang nannte.

Zucchero und seine Band werden heute ein weiteres Konzert in der „Grande Miniera Serbariu“ im ehemaligen Bergwerk von Carbonia im Südwesten von Sardinien geben.














Copyright Fotos: Paolo Succu

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