Freitag, 29. Juli 2011

Sardinien-Fähren: Die private Konkurrenz kauft die staatliche Tirrenia, Region will auch im Winter eigene Fähren anbieten


Italien hat in dieser Woche seine staatliche Schifffahrtsgesellschaft Tirrenia privatisiert. Nach mehreren gescheiterten Verkaufsversuchen wurde die marode Tirrenia di Navigazione S.p.A. in A.S. von einem Bieterkonsortium privater Reedereien übernommen, zu denen unter anderem die direkten Konkurrenten Grimaldi Group, Grandi Navi Veloci SNAV (Marinvest) und MOBY gehören. Tirrenia bietet vor allem Fährverbindungen nach Sardinien und Sizilien an, unter anderem von Genua nach Olbia und Porto Torres sowie von Civitavecchia nach Olbia und Cagliari sowie von Cagliari nach Palermo.
Der Verkauf der staatlichen Gesellschaft an die private Konkurrenz , die sich unter dem Namen „Compagnia italiana di navigazione“ (CIN) zusammengeschlossen hat, hat auf Sardinien massive Proteste ausgelöst. Denn nicht nur ein Großteil der Flotte, sondern auch die staatlichen Konzessionen und Fördermittel für Sardinienstrecken wurden gleich mitverkauft. Im Gegenzug übernehmen die Investoren ab Oktober mehr als 1300 Tirrenia-Mitarbeiter.
Der Vertragsabschluss erfolgte ohne Mitwirkung der Region Sardinien, die gegen den Verkauf vor Verwaltungs- und Zivilgerichten und bei der Europäischen Union Einspruch einlegen möchte. Die Inselregierung hatte eine Beteiligung von mindestens 25 Prozent an der Tirrenia und besondere Rechte im Verwaltungsrat der Reederei verlangt. Ugo Cappellacci, Gouverneur von Sardinien und Parteigenosse des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, dessen Transportminister die Privatisierung genehmigt hatte, drohte inzwischen, sein Parteibuch zurückzugeben.
Während Sarden und Regierung sich noch um die Zukunft der neuen Tirrenia streiten, loben die neuen Eigentümer den Kauf: Die Tirrenia kann zu einem Meister des Mittelmeers werden, sagte der Chef der Grimaldi Group, Manuel Grimaldi, dem Finanzblatt Milano Finanza. Grimaldi träumt nach der Restrukturierungsphase von neuen internationalen Verbindungen und denkt dabei auch an Fährschiffe nach Kuba und Florida. Zunächst sollen aber nicht benötigte Schiffe verkauft und der Qualitätsstandards auf den bestehenden Routen und Schiffen verbessert werden.

Ob die Übernahme der staatlichen Konkurrenz durch die kommerziellen Investoren, die bereits auf fast allen Tirrenia-Strecken eigene Liniendienste betreiben, für mehr Konkurrenz und günstigere Fährtickets sorgt, darf freilich bezweifelt werden. Zuletzt waren die Preise für Sardinien-Überfahrten massiv gestiegen. Die Regionalregierung hatte im Frühjahr zwei eigene Schifffahrtslinien nach Sardinien aufgesetzt, um mehr Wettbewerb in das Fährgeschäft auf die Mittelmeerinsel zu bringen. Noch bis 15. September pendeln unter der Regie der regionalen Schifffahrtsgesellschaft Saremar zwei Schiffe zwischen Golfo Aranci und Civitavecchia sowie Porto Torres und Savona Vado Ligure. Die Region denkt bereits darüber nach, auch nach Mitte September eigene Fährverbindungen mit Schwerpunkt Frachtverkehr anzubieten.

Übersicht alle Fährverbindungen nach Sardinien (nach Fährgesellschaften)
Alle Fährhäfen im Überblick


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