Montag, 7. November 2011

Arte Dino: „Die Kunst ist Zugang zum Universum, sie schlägt eine Brücke zwischen Mensch und Kosmos“

Stilisierte Muttergottheiten, die den Außerirdischen in Akte X ähneln, geometrische Zeichen aus dem Tifinagh-Alphabet der Tuaregs und jede Menge warme Farben: In den Bildern des 47-jährigen Künstlers aus Uznach in der Nähe von Rapperswil sieht der Betrachter auch immer ein Stück sardische Geschichte und Landschaft.
In seinen plastischen Bildern und Werken experimentiert er frei mit Holz, Stein, Eisen, Erde, Sand, Asche, Acrylfarben, Spraydosen und Weißleim – als Anregung immer auch ein wechselndes Ensemble von Gegenständen des täglichen Lebens.
Sardinien.com sprach mit dem Künstler, der sich Dino nennt, aber eigentlich Walter Righele heißt und seit 2005 im Südosten von Sardinien lebt.

Sardinien.com: Dino Sie sind 1964 in Uznach bei Rapperswil in der Schweiz geboren und leben heute auf Sardinien. Wann haben Sie mit dem Malen begonnen und was bzw. wer hat Sie dazu gebracht?
Dino: Das kam eigentlich von selbst. Schon als Kind habe ich gerne gemalt. Mit 25 Jahren habe ich dann hobbymäßig Bilder mit Pastell, Farbstift und Ölkreide gezeichnet – meist stilisierte menschliche Körper. Später hat mich der Beruf so sehr eingenommen, dass ich nicht mehr dazu gekommen bin. Ich habe dann erst wieder angefangen, als ich vor sechs Jahren nach Sardinien zog.
Sardinien.com: Aber es gibt bzw. gab doch bestimmt Vorbilder? Wer oder was hat Sie begeistert oder inspiriert?
Dino: Der Schweizer Maler und Künstler Hansruedi Giger hat mich sehr stark inspiriert. Vor allem seine Sprühtechnik die Verschmelzung von Mensch und Maschine in seinen Werken gefiel mir. Doch auch der Schweizer Architekt und Designer Max Bill, der italienische Zeichner, Maler und Bildhauer Amedeo Modigliani, Pablo Picasso und Salvador Dalí haben mich begeistert. Von Friedensreich Hundertwasser habe ich hingegen nicht die Bilder sondern die Philosophie bewundert.
Sardinien.com: Hat Sardinien Sie begeistert oder inspiriert?
Dino: Sicherlich hat mich die Landschaft und die Kultur Sardiniens bei meiner Ankunft fasziniert. Mehr als alles haben es mir die Nuraghen, die auffälligen und geheimnisvollen Turmbauten Sardiniens, angetan. Doch meine Kunst beginnt nicht auf Sardinien, auch wenn die Insel meine letzte Bilderserie stark beeinflusst hat.
Sardinien.com: Wie würden Sie ihre künstlerische Tätigkeit beschreiben?
Dino: Ich war zunächst Teilzeitkünstler, da mein Beruf mir keine Zeit ließ. Als ich meinen Beruf schließlich an den Nagel hängen musste, habe ich einen Ausgleich gesucht und ihn in der Kunst gefunden. Meine Kunst hat nichts mit Malerei zu tun, sie leitet sich vielmehr aus meinem ehemaligen Beruf ab, dem Modellbau. Dort habe ich Teile im Dienste der Architektur zusammengebaut, jetzt stelle ich verschiedene Materialien zusammen und lasse Bilder entstehen. Meiner Meinung nach ist die Kunst Zugang zum Universum, sie schlägt eine Brücke zwischen sinnsuchendem Mensch und Kosmos.
Sardinien.com: Wo und wann arbeiten Sie?
Dino: Nur tagsüber und draußen! Denn das Wetter soll mit Sonne, Wind und Regen Einfluss auf meine Bilder nehmen. Wenn zum Beispiel Wasser oder Salz auf meine Bilder tropft, produzieren sie eine Reaktion, die zum Endergebnis meines Werkes beiträgt.
Sardinien.com: Haben Sie manchmal auch Blockaden? Wenn ja, was machen Sie dann?
Dino: Ja, auf jeden Fall, das gibt es! Ich lasse Sie zu und warte bis sie sich lösen.
Sardinien.com: Welcher Technik bedienen Sie sich in Ihren Bildern?
Dino: In meinen Bildern experimentiere ich mit verschiedenen Materialien: Der Rahmen ist aus Eisen, die Grundplatte aus Holz und was der Betrachter sieht ist Erde, Sand, Asche, Gewürze und vieles mehr was Sardinien so her gibt. Ich verklebe alles mit Weißleim und bemale die Bilder mit wasserlöslichen Acrylfarben und Spraydosen. Dann streue ich Salz darüber. Wenn man es nun feucht aufbewahrt, korrodiert das Werk. Diese Technik habe ich mir selbst ausgedacht.
Sardinien.com: Wie viel Zeit benötigen Sie für ein Bild?
Dino: Das kann ich nur schwer sagen, da ich immer an mehreren Werken gleichzeitig arbeite. Ich bereite mehrere Grundplatten zugleich vor, trage den Sand und die Farben auf. Das kann vier bis acht Stunden dauern. Im Schnitt sagen wir mal einen Tag.
Sardinien.com: Welche Materialien benutzen Sie am liebsten?
Dino: Materialien aus der Natur. Was der Betrachter sieht, hole ich mir aus der Natur. Wenn ich ein Bild aus meiner letzten Serie verkaufe, gebe ich im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück Sardinien ab!
Sardinien.com: Wer ist Ihr Lieblingskünstler?
Dino: Oh, das ist schwierig. Das ist wirklich schwierig. Dalí, Hundertwasser, Giger, Picasso. Dalí finde ich wirklich genial!
Sardinien.com: Welche Kunstrichtung gefällt Ihnen am meisten?
Dino: Hm, das ist auch sehr schwierig. Der Kubismus. Die Orientierung an der klaren und gut definierten Darstellung der wiedergegebenen Gegenstände. In meinen Bildern ist auch alles klar und gut definiert. Sehr sogar. Wie eine Art Anker, an dem man sich festhalten kann.
Sardinien.com: Wo kann man ihre Werke auf Sardinien bewundern?
Dino: Im Moment sind meine Bilder im Hotel Quattro Torri in Quartu Sant Elena bei Cagliari und im Loungecafè Aini in Sant'Anna Arresi, im Südwesten von Sardinien ausgestellt. Im Herbst 2013 wird es auch eine Ausstellung in Neuenstadt am Kocher geben.
Sardinien.com: Sie leben auf einer Ferieninsel. Wo verbringen Sie am liebsten Ihre Zeit?
Dino: Im Sommer am Meer. Im Winter bin ich wie ein Bär. Ich schlafe viel und habe wenig Lust zu leben.

Ausstellungen auf Sardinien

Interview: Andrea Behrmann
Fotos: Paolo Succu











1 Kommentar:

  1. Dino ist einer der ganz großen Künstler.
    Noch sind seine Kunstwerke bezahlbar.
    Es wird die Zeit kommen da werden seine Bilder
    fester Bestandteil einer Kapitalanlage sein.

    liebe Grüße aus Lanzarote

    AntwortenLöschen

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!