Mittwoch, 7. Dezember 2011

Chiesa Santa Lucia: Spannende Ausgrabungsstätte mitten in Cagliari


Wer im Hafenviertel “Marina” der Inselmetropole Cagliari spazieren geht, stößt an der Ecke Via Sardegna/Via Napoli zwischen Trattorien, Restaurants, kleinen Krimskramsläden und Dönerbuden auf eine Ausgrabungsstätte, die es in sich hat: Die im zweiten Weltkrieg zum Großteil zerstörte Kirche Chiesa di Santa Lucia di Marina. Die Grundmauern des 1119 erstmals urkundlich erwähnten und im 16. Jahrhundert im großen Stil umgebaute Gotteshauses gehen vermutlich auf das 6. Jahrhundert vor Christus zurück. Santa Lucia ist damit eines der ältesten Kirchen der sardischen Inselhauptstadt. Allerdings führten die Überreste der Kirche, die einst Teil der repräsentativen Prachtbauten des alten Cagliari war, in den letzten Jahrzehnten ein Schattendasein. Die Grundmauern wurden nach Kriegsende weitestgehend abgetragen, Kirchenboden und Gewölbe zuzementiert und in einen Parkplatz umgewandelt.. Der Heiligen Santa Lucia wurde ein neues Gotteshaus im Stadtteil San Benedetto geweiht und die Schätze der einstigen Kirche in das Museum der nahen Sant'Eulalia-Kirche gebracht. Lediglich eine Seitenmauer wurde weitgehend stehengelassen, aber mit Tüchern verhängt.

In den letzten Monaten kamen die alten Gemäuer aber wieder ans Licht. Mit aller Vorsicht wurde der Asphalt über der ehemaligen Kirche abgetragen. Archäologen haben allein sieben Bodenbeläge freigelegt, was darauf hindeutet, das die Kirche im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut wurde. Aber auch eine Grabstätte mit Gebeinen unter dem ehemaligen Altar und bis dato unbekannte Schächte und Luken wurden in den letzten Wochen freigelegt. Mit modernen Kamerageräten machen die Archäologen unbekannte Winkel und Gewölbe des einstigen Prachtbaus zugänglich.
Besucher können die voranschreitenden Ausgrabungsarbeiten von außen beobachten: Das Gelände in der Via Sardegna ist zwar eingezäunt, aber man kann den Archäologen beim Graben, Freilegen und Froschen über die Schulter schauen.


In den letzten Jahren hat sich in dem Stadtteil Marina viel getan. Das alte Hafenviertel drohte zu verkommen: In den engen Gassen und alten Häusern wollte niemand mehr wohnen, Gebäude und Plätze verkamen zusehends, bis die Stadt beschloss, Häuser renovieren zu lassen. Immer mehr Restaurants, Kneipen, Handwerker, Künstler und kleine Läden siedeln sich in den mittelalterlichen Altstadtgassen an, Teile der engen Straßen sind heute Fußgängerzone und Trattorien, Fischrestaurants und Pizzerien stellen in der warmen Jahreszeit Tische auf die Straßen und haben so das Hafenviertel zu neuem Leben erweckt. Heute gilt das Marina-Viertel vor allem in den Sommermonaten als Ausgehmeile und Cagliaritaner, Urlauber, Backpacker und Straßenkünstler nehmen allabendlich die Häuserzeilen zwischen Via Sardegna und Piazzetta Savoia in Beschlag.

Fotos: BSK / www.santaluciacagliari.com /sardinien.com

Bilder von den Ausgrabungsarbeiten in Santa Lucia bei Flickr
Ständig aktualisierte Website über das Ausgrabungsprojekt Santa Lucia
Der Cagliari-Guide von sardinien.com

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