Freitag, 16. Dezember 2011

Sardinien 2011 - Das Jahr auf der Insel im Schnelldurchlauf

2011 war ein eher gemischtes Jahr auf der Insel - geprägt von traumhaftem Wetter und politischen Machtwechseln, aber auch von Unsicherheit und Katastrophen, nackten Tatsachen und literarischen Eseln auf Sardinien. Hier unser kurzer Rückblick auf das vergangene Jahr.

2011 versprach eine gute Urlaubssaison zu werden: Zahlreiche neue Flüge auf die Insel, wie die neuen Germanwings-Verbindungen von Köln und Stuttgart nach Cagliari, aber auch neue Airberlin-Flüge aus Nordrhein-Westfalen und Berlin in den Norden und Süden der Insel ließen die Tourismusindustrie auf viele neue Urlauber aus dem Norden hoffen. Doch die Ernüchterung kam bald darauf: Während der Luftverkehr nach Sardinien boomte, sollte der Fährverkehr massiv einbrechen: Alle privaten Reedereien, von steigenden Rohölpreisen und sinkendem Konkurrenzdruck durch die Unsicherheit um die strauchelnde Fährgesellschaft Tirrenia angeheizt, hatten ihre Preise für Sardinien-Überfahrten massiv angezogen. Die Folge: Zahlreiche Urlauber, vor allem aus Italien, blieben der Insel fern. Viel zu spät, aber mediengerecht mitten im Kommunalwahlkampf, hatte die Inselregierung zunächst mit dem Bonus Sardo Vacanza gelockt (die Region Sardinien zahlte bis zu 90 Euro Bonus für die Fähranreise) und schließlich sogar eigene Fähren eingesetzt - mit mäßigem Erfolg. Ob das Experiment 2012 fortgesetzt wird ist deshalb noch völlig unklar.


Eine schwere Umweltkatastrophe im Industriegebiet von Porto Torres im Januar sorgte nicht nur für verschmutzte Strände, sondern auch für schlechte Presse - die Folgen des ausgelaufenen Schweröls sollten aber zu Saisonbeginn weitgehend behoben sein. Das behaupteten zumindest die Behörden.
Steigende Preise und schlechte Presse haben der sardischen Tourismusindustrie 2011 also mächtig zugesetzt - aber auch das Wetter hat den Sarden den Saisonstart verhagelt. Erst ab Mitte Juli wurde es dann richtig schön - denn Ausgleich für ein verregnetes Frühjahr bescherte der Wettergott der zweitgrößten Mittelmeerinsel einen traumhaften Sommer und einen goldenen und sonnigen Herbst, der bis Mitte Dezember andauerte.
Für eine andere Form von Heiterkeit sollte 2011 auch die sardische Prominenz sorgen. Inselschönheit Elisabetta Canalis präsentierte zu Beginn des Jahres eines der größten italienischen TV-Spektakel, posierte nackt für eine Anti-Pelz-Kampagne, warb für Haselnusspralinien und trennte sich im Juni von Hollywood-Star und Lebensgefährten George Clooney. Sardinien hat künftig also einen prominenten Inselurlauber weniger.
Auch die Gäste einer Nobel-Disko in der Costa Smeralda dürften so schnell nicht wieder auf Sardinien Urlaub machen: die jungen Russen prellten an der Costa Smeralda die Zeche in der Diskothek Billionaire des Sport- und Industriemanagers Flavio Briatore: Der blieb auf einer Champagner-Rechnung von 86000 Euro sitzen.
Etwas weniger Medienrummel mag der Wahlsarde Götz George, der 2011 der deutschen Presse zu seinem Siebzigsten in die Notizbücher diktierte, dass er auf Sardinien die Ruhe und Kraft für seine Arbeit, dem Drehen in Deutschland, schöpft. Zumindest er dürfte der Insel sobald also nicht den Rücken kehren.
Politisch hat sich 2011 auf der Insel einiges getan: Bei einem Referendum im Frühjahr sprachen sich 97 Prozent der Sarden gegen Atomkraft auf der Insel aus und in der Inselhauptstadt von Sardinien wurde zum ersten Mal nach 20 Jahren mit Massimo Zedda ein linker Politiker in das höchste Amt von Cagliari gewählt.
Literarisch gab es im vergangenen Jahr Höhen und Tiefen. Jutta Speidel und Bruno Maccallini benahmen sich wie zwei Esel auf Sardinien und wollten damit den deutschen Buchmarkt aufrollen, ein nicht nur sportlich sondern auch kulturell interessanter Wanderführer ergänzt seit diesem Jahr manch eine Sardinien-Bibliothek. Zahlreiche 2011 erschienene Romane und Krimis von der Insel wie Die Barfüßige Wittwe von Salvatore Niffoi oder die Rückkehr von Markus Fritsche sorgten für literarische Spannung unterm Sonnenschirm.

Was auf Sardinien im Jahr 2012 zukommt, ist wohl genauso unsicher wie die Frage, ob in Cagliari 2012 am Meer rechtzeitig zum Saisonstart neue Strandkioske stehen werden oder nicht. Wie die Insel im kommenden Jahr verkehrstechnisch angebunden sein wird ist noch weitgehend unbekannt - zum einen sind kaum neue Sardinien-Flüge geplant, zum anderen wird sich die Situation im Fährverkehr kaum entspannen. Außerdem leidet Sardinien wie der Rest Italiens an der Schuldenkrise und den gestiegenen Steuern und Lebenshaltungskosten im Lande. Hoffen wir einfach, dass 2012 wird wie das Wetter zu Neujahr: Heiter, sonnig und stabil.