Dienstag, 29. November 2011

„La pietra e gli eroi“: Bis Ende Dezember gibt es in Sassari die restaurierten Steinstatuen aus der Begräbnisstätte von Mont'e Prama zu sehen

Sie sind aus Stein, überdurchschnittlich groß und haben anthropomorphische Züge: Die zwischen 1974 und 1979 im Hinterland von Tharros gefundenen Fragmente verschiedener Statuen wurden restauriert und sind bis Ende Dezember zum ersten Mal in ihrer Gesamtheit in Sassari zu sehen.

Am vergangenen Mittwoch, den 23. November 2011 eröffnete das Städtchen an der Nordwestküste von Sardinien die Ausstellung „La pietra e gli eroi. Le sculture restaurate di Mont'e Prama“.

Mit einem geschätzten Alter von 2800 bis 3000 Jahren gelten die großen Steinskulpturen aus der Begräbnisstätte von Mont'e Prama bei Cabras als einziges Beispiel einer großen anthropomorphischen Bildhauerkunst der Nuraghenkultur.
Der sardische Archäologe Paolo Melis schreibt dazu in seinem Buch "Die Nuraghenkultur", dass die Statuen „vielleicht in einer Zeit, in der sich bereits die sardisch-phönizischen Aristokratien bildeten, und der Glanz der Nuraghenkultur bereits ein Mythos war“, entstanden sind. Und auf den Mythos dieser entfernten, mittlerweile zu Göttern und Helden erhobenen Vorfahren scheinen die Riesen von Monti Prama anzuspielen, erklärt er weiter. Einige Statuen stellen bewaffnete Krieger mit Pfeil und Bogen, Hörnerhelmen und Schilder dar - ohne Zweifel Darstellungen die an die berühmten Bronzestatuetten erinnern.
Mit den Statuen sind auch zahlreiche Nuraghen-Modelle aus Stein ausgestellt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Dezember 2011 im Centro di Conservazione e Restauro dei Beni Culturali in Sassari zu sehen. Besichtigung nur nach Voranmeldung. Eintritt frei.

Ausstellungsort:
Centro di Conservazione e Restauro dei Beni Culturali, Loc. Li Punti, Sassari
Besichtigung nur nach telefonischer Voranmeldung (von Italien 800148776)

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Donnerstag, 24. November 2011

King of the Castle: In diesem Jahr fällt das spannende City-Mountainbike-Event in der Inselhauptstadt von Sardinien aus

Die Wirtschaftskrise macht Sport- und Kulturveranstaltungen in Italien zum Luxus.
Sardinien hat im Sparzwang seine Fördermittel für das Urban Downhill Cycling im Schlossviertel von Cagliari gekappt.
Am kommenden 11. Dezember 2011 fällt deshalb das diesjährige Mountainbike-Event „King of the Castle“ (Schlosskönig) in der Inselhauptstadt aus.
Bei dem spektakulären Rad-Event, das in diesem Jahr in die dritte Runde gegangen wäre, rasen die Downhill-Biker durch die Altstadt von Cagliari. Der rasante Parcours führte in den letzten beiden Jahren von der Piazza Palazzo vorbei an der 800 Jahre alten Kathedrale Santa Maria durch enge Torbögen und Gassen bis auf die Piazza Yenne in die Unterstadt.

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Mittwoch, 16. November 2011

Cinema Tedesco Oggi 2011 zeigt deutsche Filmgeschichte auf Sardinien

Was ist eigentlich deutsches Kino? Und was ist wirklich „deutsch“ am deutschen Film?
Angeregt durch Althens und Prinzlers berühmten Film Auge in Auge – eine deutsche Filmgeschichte beginnt heute in der Inselhauptstadt von Sardinien die jüngste Veranstaltung des Filmzyklus Cinema Tedesco Oggi.
Auge in Auge heißt 100 Jahre deutsche Filmgeschichte. Und die beleuchtet vom 16. November 2011 an auch der deutsch-italienische Kulturverein ACIT, in Zusammenarbeit mit dem Cineteca Sarda, der Coop. Spazio Odissea und dem Goethe-Institut Italien mit einer Reihe von faszinierenden Filmen, Expertenbeiträgen und interessanten Interviews.
Natürlich entsteht dabei nur ein Ausschnitt und nicht die gesamte Geschichte des deutschen Kinos, denn auf jeden Film, der gezeigt wird, kommen viele andere, die im Dunkeln bleiben.
Die Filme laufen vom 16. November bis 21. Dezember 2011 immer mittwochs um 21.15 Uhr im Cinema Odissea und freitags um 20.30 Uhr im Cineteca Sarda in Cagliari.

Cinema Tedesco Oggi 2011 – Filmreihe „Auge in Auge - lo sguardo nello sguardo - una storia del cinema tedesco“
16. November 2011 – 21. Dezember 2011
Originalsprache mit italienischen Untertiteln
Cinema Odissea, Viale Trieste 84 – Cagliari
Cineteca Sarda, Viale Trieste 126 - Cagliari
Eintritt frei.

Die Filme im Überblick

Nosferatu, 16.11.11 Cinema Odissea, 21.15 Uhr
Regie Friedrich W. Murnau – Deutschland 1922, 79 Min.

Menschen am Sonntag, 18.11.11 Cineteca Sarda, 20.30 Uhr
Regie Curt Siodmak – Deutschland 1929/30, 73 Min.

M Eine Stadt sucht einen Mörder, 23.11.11 Cinema Odissea, 21.15 Uhr
Regie Fritz Lang - Deutschland 1992, 98 Min.

Unter den Brücken, 25.11.11 Cineteca Sarda, 20.30 Uhr
Regie Helmut Käutner - Deutschland 1944/45, 92 Min

Abschied von gestern, 30.11.11 Cinema Odissea, 21.15 Uhr
Regie Alexander Kluge – Deutschland 1966, 88 Min

Alice in den Städten, 07.12.11 Cinema Odissea, 21.15 Uhr
Regie Wim Wenders - Deutschland 1975, 107 Min

Lola rennt, 09.12.11 Cineteca Sarda, 20.30 Uhr
Regie Tom Tykwer - Deutschland 1998, 81 Min

Auge in Auge, 14.12.11 Cinema Odissea, 21.15 Uhr
Regie M. Althen, H.H. Prinzler - Deutschland 2008, 106 Min.

Kurz und schmerzlos, 09.12.11 Cineteca Sarda, 20.30 Uhr
Regie Fatih Akin - Deutschland 1998, 100 Min.

Heimat, 21.12.11 Cinema Odissea, 21.15 Uhr
Regie Edgar Reitz - Deutschland 1979/84, 119 Min.

Weitere Informationen
ACIT-Cagliari Associazione Culturale Italo-Tedesca
Telefon-Fax: +39/070/42965
E-Mail: acitcagliari@tiscali.it

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Dienstag, 15. November 2011

Warte, bis es dunkel wird: ARTE zeigt am Freitag eine Doku über die nächtliche Welt der Fledermäuse

Am kommenden Freitag, den 18. November 2011 stellt der deutsch-französische Fernsehsender ARTE eine Tierdokumentation vor, die dem Zuschauer die nächtliche Welt der Fledermäuse näher bringt.

„Warte, bis es dunkel wird“ heißt die 45-minütige Dokumentation, die um 19.30 Uhr von Jagderfolgen und Fehlschlägen, Streitereien und Balzritualen dieser seltsamen Flattertiere berichtet.
Mit viel Geduld und hohem technischen Aufwand gelangen dem Filmteam um Dietmar Nill auf Sardinien überraschende, bislang nie gesehene Bilder.

Die Dokumentation erhielt 2011 den zweiten Preis für die beste Kamera auf dem diesjährigen Dokumentarfilmfestival Naturvision.

Aus dem Sendungstext:
„Fledermäuse gehören nicht unbedingt zu den Kuscheltieren. Manche halten sie für abstoßend und unheimlich und fürchten sich vor den nächtlichen Flattertieren, die pfeilschnell durch die Dunkelheit jagen. Trotzdem gewinnen Fledermäuse immer mehr an Fans und Fürsprechern. Jahrelang war Tierfotograf und Tierfilmer Dietmar Nill mit seinen Kollegen Brian McClatchy und Karlheinz Baumann unterwegs, um die liebenswerten Seiten der Fledermäuse im Bild festzuhalten. Die faszinierende Dokumentation beginnt im Dachstuhl einer Dorfkirche, in dem sich Fledermausweibchen jedes Frühjahr zusammenfinden, um ihren Nachwuchs auf die Welt bringen; jeweils ein einziges Junges. Wie Schimpansen oder Menschen nehmen sie ihre Säuglinge an die Brust, um sie zu stillen. Sie pflegen und säubern sie geradezu liebevoll und leisten Hilfestellung beim Flugtraining. Fledermäuse sind lichtscheu und werden erst im Dunkeln aktiv. Dann sind sie so schnell, dass man ihnen mit dem Auge nicht folgen kann. Erst hochempfindliche Zeitlupenkameras lassen die Jagd der Fledermäuse auf Nachtfalter zu einer Kette artistischer Flugmanöver werden. Was sich im Bruchteil einer Sekunde und in tiefer Nacht abspielt, wird zum atemberaubenden Drama: der Einsatz der Flughaut als Käscher in der Luft, der präzise Anflug auf eine Wasseroberfläche oder der zielgenaue Sturzflug auf Laufkäfer am Boden. Ein Höhepunkt im Leben der Fledermäuse ist zweifellos das Werben der Männchen um die Gunst der Weibchen. An besonderen Balzplätzen stellen sich die Freier zur Schau und hoffen darauf, auserwählt zu werden. Doch da das Schauspiel in dunklen, verborgenen Balzrevieren stattfindet, konnte es bislang nicht in freier Natur gefilmt werden.“

Fledermäuse. Warte, bis es dunkel wird
(Deutschland 2011)
Regie: Volker Arzt
Sendetermin: Freitag, 18. November 2011, 19.30 Uhr, 43 Min., ARTE
Wiederholungen: Freitag, 25. November 2011, 14:00 Uhr, 43 Min., ARTE

>> Mehr Informationen auf der Website von ARTE
>> Hier nisten Fledermäuse auf Sardinien

Freitag, 11. November 2011

3sat porträtiert Sardinien und Korsika: Am kommenden Montag Dokumentation über die beiden Trauminseln im Mittelmeer

Am kommenden Montag, den 14. November 2011 stellt der Gemeinschaftssender von ZDF, ORF, SRG und ARD Sardinien und Korsika vor. „Zwei Traumziele im zentralen Mittelmeer“ heißt der 45-minütige Film der um 14.15 Uhr ein Porträt von der Meerenge zwischen Sardinien und Korsika mit ihren vielen kleinen Inseln und zahllosen Tierarten zeichnet.

Aus dem Sendungstext:

„Korsika und Sardinien - zwei Traumziele im zentralen Mittelmeer. Zwischen den beiden Inseln wurde eines der ersten internationalen Schutzgebiete des Mittelmeeres etabliert: die Bouche de Bonifacio. Diese Meerenge mit ihren vielen kleinen Inseln beherbergt zahllose Tierarten. Wildschweine teilen mit den Urlaubern den Strand, große Kolonien von Krähenscharben tauchen bei ihrer Jagd nach Fischen wie Pfeile in das kristallklare Meer und eine nur auf einer Insel vorkommende Population von schneeweißen Eseln gibt den Experten bis heute Rätsel auf. Auch unter Wasser lebt eine Vielzahl von Kreaturen: Delfine, riesige Zackenbarsche und farbenprächtige Polypen zeigen den guten Zustand der Unterwasserwelt an. Im Sommer fallen Heerscharen von Urlaubern über die Inseln her, sie stellen für die Natur ein größeres Problem dar. Der Film"Trauminseln im Mittelmeer" begleitet eine Gruppe von italienischen und französischen Rangern bei ihrer engagierten Arbeit und zeigt ihren täglichen Spagat zwischen Tourismus und Naturschutz.”

Sendetermin: Montag, 14. November 2011, 14:15 Uhr, 45 Min., 3sat

>> Mehr Informationen auf der Website von 3sat

Dienstag, 8. November 2011

Im Sommer 2012 von Bern nach Olbia mit Helvetic ab 368 Franken


Die schweizerische Fluggesellschaft Helvetic bietet auch 2012 wieder Sardinien-Flüge an. So geht es zum Beispiel vom 30.06.2012 bis 22.09.2012 jeden Samstag direkt nach Olbia, den Flughafen Nordost-Sardiniens. Tickets für den Sommer 2012 sind derzeit für 368 Schweizer Franken für den Hin- und Rückflug, inklusive Steuern und Gebühren, zu haben. In den nächsten Wochen werden noch weitere Destinationen aufgeschaltet. Eine Gesamtübersicht über bereits jetzt für den Sommer 2012 buchbare Flüge von der Schweiz nach Sardinien finden Sie unter folgendem Link:
http://www.sardinien.com/anreiseper/flugzeug/air_line.htm#sud


Montag, 7. November 2011

Streikkalender Italien und Sardinien für November und Dezember 2011

Es sind stürmische politische Zeiten in Italien – und Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen drücken mit Streiks und Arbeitsniederlegungen ihren Unmut mit Politik und Arbeitgebern aus. Den Anfang machen diese Woche die Tankstellenbetreiber, die gleich für fünf Tage in Folge die Arbeit ruhen lassen wollen. Aber auch mehrere Arbeitsniederlegungen im Transportwesen werden den Flug-, Zug- und Fährverkehr von und nach Sardinien und in ganz Italien am 17. November 2011 massiv belasten. Wer kann, sollte also für den Tag gebuchte Tickets umbuchen oder stornieren. Anfang Dezember ist schließlich noch ein Streik der Alitalia-Mitarbeiter angekündigt.


Die Streiktabelle im Einzelnen:
8. bis 11. November 2011 Tankstellen-Streiks, mit Ausnahme der Regionen Ligurien und Toskana

16./17. November landesweite Streiks im Transportwesen (Flug, Fähren, Eisenbahnen), Behinderungen im Fährverkehr können bis zum 18.11. andauern.

2. Dezember Streik der Flugbegleiter der Gesellschaft Alitalia


Quellen: Corriere.it, Italienisches Transportministerium

Arte Dino: „Die Kunst ist Zugang zum Universum, sie schlägt eine Brücke zwischen Mensch und Kosmos“

Stilisierte Muttergottheiten, die den Außerirdischen in Akte X ähneln, geometrische Zeichen aus dem Tifinagh-Alphabet der Tuaregs und jede Menge warme Farben: In den Bildern des 47-jährigen Künstlers aus Uznach in der Nähe von Rapperswil sieht der Betrachter auch immer ein Stück sardische Geschichte und Landschaft.
In seinen plastischen Bildern und Werken experimentiert er frei mit Holz, Stein, Eisen, Erde, Sand, Asche, Acrylfarben, Spraydosen und Weißleim – als Anregung immer auch ein wechselndes Ensemble von Gegenständen des täglichen Lebens.
Sardinien.com sprach mit dem Künstler, der sich Dino nennt, aber eigentlich Walter Righele heißt und seit 2005 im Südosten von Sardinien lebt.

Sardinien.com: Dino Sie sind 1964 in Uznach bei Rapperswil in der Schweiz geboren und leben heute auf Sardinien. Wann haben Sie mit dem Malen begonnen und was bzw. wer hat Sie dazu gebracht?
Dino: Das kam eigentlich von selbst. Schon als Kind habe ich gerne gemalt. Mit 25 Jahren habe ich dann hobbymäßig Bilder mit Pastell, Farbstift und Ölkreide gezeichnet – meist stilisierte menschliche Körper. Später hat mich der Beruf so sehr eingenommen, dass ich nicht mehr dazu gekommen bin. Ich habe dann erst wieder angefangen, als ich vor sechs Jahren nach Sardinien zog.
Sardinien.com: Aber es gibt bzw. gab doch bestimmt Vorbilder? Wer oder was hat Sie begeistert oder inspiriert?
Dino: Der Schweizer Maler und Künstler Hansruedi Giger hat mich sehr stark inspiriert. Vor allem seine Sprühtechnik die Verschmelzung von Mensch und Maschine in seinen Werken gefiel mir. Doch auch der Schweizer Architekt und Designer Max Bill, der italienische Zeichner, Maler und Bildhauer Amedeo Modigliani, Pablo Picasso und Salvador Dalí haben mich begeistert. Von Friedensreich Hundertwasser habe ich hingegen nicht die Bilder sondern die Philosophie bewundert.
Sardinien.com: Hat Sardinien Sie begeistert oder inspiriert?
Dino: Sicherlich hat mich die Landschaft und die Kultur Sardiniens bei meiner Ankunft fasziniert. Mehr als alles haben es mir die Nuraghen, die auffälligen und geheimnisvollen Turmbauten Sardiniens, angetan. Doch meine Kunst beginnt nicht auf Sardinien, auch wenn die Insel meine letzte Bilderserie stark beeinflusst hat.
Sardinien.com: Wie würden Sie ihre künstlerische Tätigkeit beschreiben?
Dino: Ich war zunächst Teilzeitkünstler, da mein Beruf mir keine Zeit ließ. Als ich meinen Beruf schließlich an den Nagel hängen musste, habe ich einen Ausgleich gesucht und ihn in der Kunst gefunden. Meine Kunst hat nichts mit Malerei zu tun, sie leitet sich vielmehr aus meinem ehemaligen Beruf ab, dem Modellbau. Dort habe ich Teile im Dienste der Architektur zusammengebaut, jetzt stelle ich verschiedene Materialien zusammen und lasse Bilder entstehen. Meiner Meinung nach ist die Kunst Zugang zum Universum, sie schlägt eine Brücke zwischen sinnsuchendem Mensch und Kosmos.
Sardinien.com: Wo und wann arbeiten Sie?
Dino: Nur tagsüber und draußen! Denn das Wetter soll mit Sonne, Wind und Regen Einfluss auf meine Bilder nehmen. Wenn zum Beispiel Wasser oder Salz auf meine Bilder tropft, produzieren sie eine Reaktion, die zum Endergebnis meines Werkes beiträgt.
Sardinien.com: Haben Sie manchmal auch Blockaden? Wenn ja, was machen Sie dann?
Dino: Ja, auf jeden Fall, das gibt es! Ich lasse Sie zu und warte bis sie sich lösen.
Sardinien.com: Welcher Technik bedienen Sie sich in Ihren Bildern?
Dino: In meinen Bildern experimentiere ich mit verschiedenen Materialien: Der Rahmen ist aus Eisen, die Grundplatte aus Holz und was der Betrachter sieht ist Erde, Sand, Asche, Gewürze und vieles mehr was Sardinien so her gibt. Ich verklebe alles mit Weißleim und bemale die Bilder mit wasserlöslichen Acrylfarben und Spraydosen. Dann streue ich Salz darüber. Wenn man es nun feucht aufbewahrt, korrodiert das Werk. Diese Technik habe ich mir selbst ausgedacht.
Sardinien.com: Wie viel Zeit benötigen Sie für ein Bild?
Dino: Das kann ich nur schwer sagen, da ich immer an mehreren Werken gleichzeitig arbeite. Ich bereite mehrere Grundplatten zugleich vor, trage den Sand und die Farben auf. Das kann vier bis acht Stunden dauern. Im Schnitt sagen wir mal einen Tag.
Sardinien.com: Welche Materialien benutzen Sie am liebsten?
Dino: Materialien aus der Natur. Was der Betrachter sieht, hole ich mir aus der Natur. Wenn ich ein Bild aus meiner letzten Serie verkaufe, gebe ich im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück Sardinien ab!
Sardinien.com: Wer ist Ihr Lieblingskünstler?
Dino: Oh, das ist schwierig. Das ist wirklich schwierig. Dalí, Hundertwasser, Giger, Picasso. Dalí finde ich wirklich genial!
Sardinien.com: Welche Kunstrichtung gefällt Ihnen am meisten?
Dino: Hm, das ist auch sehr schwierig. Der Kubismus. Die Orientierung an der klaren und gut definierten Darstellung der wiedergegebenen Gegenstände. In meinen Bildern ist auch alles klar und gut definiert. Sehr sogar. Wie eine Art Anker, an dem man sich festhalten kann.
Sardinien.com: Wo kann man ihre Werke auf Sardinien bewundern?
Dino: Im Moment sind meine Bilder im Hotel Quattro Torri in Quartu Sant Elena bei Cagliari und im Loungecafè Aini in Sant'Anna Arresi, im Südwesten von Sardinien ausgestellt. Im Herbst 2013 wird es auch eine Ausstellung in Neuenstadt am Kocher geben.
Sardinien.com: Sie leben auf einer Ferieninsel. Wo verbringen Sie am liebsten Ihre Zeit?
Dino: Im Sommer am Meer. Im Winter bin ich wie ein Bär. Ich schlafe viel und habe wenig Lust zu leben.

Ausstellungen auf Sardinien

Interview: Andrea Behrmann
Fotos: Paolo Succu











Mittwoch, 2. November 2011

Milena Agus. Die Gräfin der Lüfte: Eine Familiengeschichte aus Sardinien in 24 Kapiteln

Die für ihren Roman „Mal di Pietre“ (dt. die Frau im Mond) berühmt gewordene Autorin Milena Agus schildert in ihrem neusten Buch die Geschichte von drei Schwestern, die verschiedener nicht hätten sein können.
Im Schlossviertel von Cagliari, der Hauptstadt von Sardinien, wohnen sie in einem heruntergekommenen alten Palazzo, der einst gänzlich ihren Vorfahren gehörte. Jetzt sind die Stockwerke in einzelne Wohnungen aufgeteilt und nur drei von acht gehören ihnen noch. Noemi, die Älteste wohnt ganz oben in Nummer acht. Maddalena ist mit ihrem Mann Salvatore in Wohnung Nummer drei, mit Blick auf die Gasse untergebracht. Die Contessa, die wegen ihrer Ungeschicklichkeit, die „Gräfin mit Ricotta-Händen“ genannt wird, hat sich mit ihrem unehelichen Sohn Carlino im Zwischengeschoss, in der Nummer eins, eingerichtet. Es ist die schlichteste und einfachste Behausung, denn die Contessa legt keinen Wert auf Wohlstand. Im Gegenteil, sie verschenkt noch von dem Wenigen, was sie hat.

In einfacher und schlichter Sprache erzählt die Autorin von den großen und kleinen Nöten der Schwestern. Das tägliche Einerlei bestimmt die Handlung, die eine breite Fülle von lebenswürzenden Themen enthält: Sex, Liebe, Heirat, Verführung, unerfüllter Kinderwunsch und Beziehungen.
Ohne viele Worte und mit einer hohen Sensibilität fürs Detail gelingt es Milena Agus ein differenziertes Bild der agierenden Personen zu erzeugen. Die Grundspannung ergibt sich aus dem Interesse am Schicksal der Schwestern. Noemi träumt davon, die veräußerten Wohnungen des Familienpalastes zurückzukaufen, Maddalena sehnt sich leidenschaftlich nach einem Kind und die Contessa macht sich sorgen um ihren fünfjährigen Sohn.
Die Suche der Schwestern nach dem persönlichen Glück wird schön, aber unspektakulär beschreiben und lässt den sonstigen Schwung der anderen Romane vermissen.
Eine ruhige Geschichte, die einem wunderbare Einblicke in die Welt des Alltäglichen ermöglicht und dem Leser zudem wundervoll romantische Landschaftsbeschreibungen der Insel beschert. Wer kurzweilige Erzählungen liebt, ist mit diesem Buch wunderbar bedient, z.B. zum Entspannen im Alltag oder unterwegs auf der Reise.

Milena Agus wurde in Genua geboren. Als Kind sardischer Eltern lebt die Schriftstellerin heute in Cagliari auf Sardinien. Hier unterrichtet sie Italienisch und Geschichte an einem Gymnasium.




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Die barfüßige Witwe: Salvatore Niffois Roman gibt Einblicke in die archaische Welt Sardiniens

Die schöne Mintonia versteht die Welt nicht mehr. Sie haben ihr ihren Mann abgeschlachtet und wie ein Schwein mit Axthieben zerlegt vor die Tür gelegt. Jetzt ist sie alleine mit ihrem Schmerz.

In seinem 200 Seiten starken Roman beschreibt Salvatore Niffoi die Geschichte der jungen Mintonia aus Taculè, die sich in einer nicht allzu fernen Zeit Hals über Kopf in den rebellischen Schafhirten Micheddu verliebt.
Es ist die Zeit zwischen 1915 und 1940 in einem Dorf der Barbagia, wo an alten Glaubenssätzen festgehalten wird, Blutrache herrscht und Männer, die sich vieler Freundinnen rühmen, als viril gelten.
Gegen den Widerstand der eigenen Familie heiratet Mintonia ihren Micheddu. Er ist ihre große Liebe. Und für ihn bringt sie große Opfer: sie erduldet seine Flucht vor den faschistischen Dorfpolizisten, sieht über den Klatsch der Dorfgemeinschaft und sein uneheliches Kind hinweg.
Als sie Micheddu an einem Junimorgen bestialisch ermordet auffindet, kann sie noch nicht einmal weinen und schmiedet einen entsetzlichen Racheplan.

Salvatore Niffoi gelingt es mit diesem Buch, dem Leser einen realistischen Einblick in die raue und archaische Welt Sardiniens zu geben. Die schonungslosen, doch zugleich sprachgewaltigen Formulierungen lassen den Leser manchmal erschaudern, doch nur so kann man wohl eine solche rohe und von festgefahrenen Verhaltensmustern geprägte Welt wirklichkeitsnah beschreiben. Das Buch liest sich wie eine Liebestragödie nur in Romanform. Am Ende ist er tot und sie in einem fernen Land.

Salvatore Niffoi wurde 1950 in Orani geboren. In Italien ist er einer der großen literarischen Überraschungserfolge der letzten Jahre. In den Büchern des Lehrers, der auch als Maler und Keramikkünstler tätig ist, finden sich alle Elemente einträglicher, zeitgenössischer Erzählliteratur. Obwohl Niffoi zahlreiche sardische Wörter und Themen der traditionellen Literatur verwendet, gelingt es ihm in seinen Texten auch immer eine moderne Perspektive zu schaffen. Für seinen 2006 erschienenen Roman La Vedova Scalza (dt. die barfüßige Witwe) erhielt er den Literaturpreis "Premio Campiello".





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Dienstag, 1. November 2011

Am Ognissanti ruht Sardinien und bewahrt ihre alten Allerheiligen-Traditionen

Am Allerheiligen hat sich in vielen Dörfern von Sardinien ein alter Brauch bewahrt: „Su Mortu Mortu“.
In Nuoro und in der Barbagia streifen die Kinder am Morgen von Ognissanti durch die Gassen der Orte und bitten um Almosen für die Verstorbenen. „Seu su mortu mortu“ jammern sie nachdem sie an den Haustüren geklopft haben, denn ihre Gebete und Fürbitten sollen das Leiden der Seelen im Fegefeuer erleichtern.
Dieser Brauch wird aber auch in anderen Teilen der Insel gefeiert: Im Süden und an der Ostküste rufen die Kinder „Is Animeddas e Is Panixeddas“ oder „Su ‘ene ‘e sas ànimas”. Im Campidano und in der Ogliastra klagen sie hingegen lautstark „seus benius po is animeddas“, „mi das fait po praxeri is animeddas“oder „carki cosa po sas ànimas”.

Zum Fest werden „Pabassinas“, „Ossus de mortu“ und „Pani ’e saba“ gebacken, süße Plätzchen und ein buntes Früchtebrot. Neben den Backwaren werden den Kids auch Walnüsse, Kastanien, Haselnüsse, Mandeln, Granatäpfel und Orangen geschenkt.

Am Allerheiligen und am Allerseelen, am 2. November werden zudem die Gräber zu Ehren aller Heiligen und Verstorbenen geschmückt.

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