Donnerstag, 19. Januar 2012

EU-Komission untersucht Tirrenia-Verkauf: Brüssel prüft Beihilfen für die ehemalige staatliche Fährgesellschaft

Die Komission der Europäischen Union hat ein Prüfverfahren gegen staatliche Fördermaßnahmen zugunsten der Fährgesellschaft Tirrenia eingeleitet. Die erst im letzten Jahr privatisierte Tirrenia‑Gruppe erhält für den Fährbetrieb unter anderem nach Sardinien staatliche Beihilfen, die zu einem unangemessenen Wettbewerbsvorteil führen könnten, so die EU-Komission in einer Pressemitteilung.



Tirrenia bietet vor allem Fährverbindungen nach Sardinien und Sizilien an, unter anderem von Genua nach Olbia und Porto Torres sowie von Civitavecchia nach Olbia und Cagliari sowie von Cagliari nach Palermo. Nach mehreren gescheiterten Verkaufsversuchen wurde die marode "Tirrenia di Navigazione S.p.A. 2011 in A.S." von einem Bieterkonsortium privater Reedereien übernommen, zu denen unter anderem die direkten Konkurrenten Grimaldi Group, Grandi Navi Veloci SNAV (Marinvest) und MOBY gehören. Die Anwälte der neuen Eigentümer haben jetzt elf Wochen Zeit, um zu den Vorwürfen aus Brüssel Stellung zu nehmen, meldet das italienische Wirtschaftsblatt Il Sole 24 Ore.
Der Verkauf der staatlichen Gesellschaft an die private Konkurrenz, die sich unter dem Namen „Compagnia italiana di navigazione“ (CIN) zusammengeschlossen hat, umfasst nicht nicht nur einen Großteil der Flotte, sondern auch die staatlichen Konzessionen und Fördermittel für Sardinienstrecken. Das Prüfverfahren der EU richtet sich nicht direkt gegen die Privatisierung und das Risiko der Monopolbildung im Sardinien-Fährverkehr, sondern in erster Linie gegen die Fördermaßnahmen in Millionenhöhe. Brüssel vermutet nämlich, dass sich auch andere Investoren am Bieterprozess für die Tirrenia beteiligt hätten, wären diese Fördermaßnahmen transparenter gemacht worden.
Der Verkauf der staatlichen Gesellschaft an die private Konkurrenz hatte auf Sardinien massive Proteste ausgelöst. Der Vertragsabschluss erfolgte ohne Mitwirkung der Region, die gegen den Verkauf vor Verwaltungs- und Zivilgerichten und bei der Europäischen Union Einspruch eingelegt hat. Die Inselregierung hatte eine Beteiligung von mindestens 25 Prozent an der Tirrenia und besondere Rechte im Verwaltungsrat der Reederei verlangt.
Die Region Sardinien, die im Rahmen der Umstrukturierung der Tirrenia‑Gruppe Eigentümerin der ehemaligen Tirrenia-Regionaltochter Saremar wurde, hatte 2011 deshalb kurzerhand selbst den Fährbetrieb von Sardinien auf den italienischen Kontinent aufgenommen. Nach einer Winterpause fahren die Saremar-Fähren derzeit täglich außer sonnabends von Civitavecchia bei Rom nach Olbia und zurück, und das zum Festpreis. Für die Sommersaison ist der Betrieb weiter Sardinienstrecken, unter anderem nach Nord- und Süditalien, geplant. Weitergehende Details sind aber noch nicht bekannt.

Die Pressemitteilung der EU-Komission in deutscher Sprache: Staatliche Beihilfen: Kommission prüft italienische Unterstützung für ehemalige Tirrenia-Gruppe

Il Sole 24 Ore: Bruxelles blocca la cessione Tirrenia

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