Dienstag, 19. November 2013

Schweres Unwetter auf Sardinien: Mindestens 16 Tote und große Schäden

Ein schweres Unwetter ist am Montag, den 18. November über Sardinien niedergegangen. Mindestens 16 Menschen starben in den Fluten, einer wird noch vermisst. Zahlreiche Flüsse traten über die Ufer, große Schäden an Gebäuden, Fabriken, Häusern und Straßen gab es vor allem in der Stadt Olbia, in Torpé, Dorgali, Uras, San Gavino und Villacidro. Die Flughäfen von Olbia und Cagliari mussten stundenlang gesperrt werden, einige Fährverbindungen auf die italienische Mittelmeerinsel wurden gestrichen. Die Hauptstraße Nuoro-Olbia SS131DCN ist wegen Unwetterschäden teilweise gesperrt, der Zugverkehr ist massiv gestört, weil viele Bahnlinien unterspült wurden. Nach bisherigen Informationen sind keine Urlauber vom Unwetter betroffen, auch weil aus den beliebten Urlaubsgebieten der Insel keine großen Schäden gemeldet werden.

Bei dem für Sardinien ungewöhnlich starken Winterunwetter, von den Meteorologen "Ciclone Cleopatra" getauft,  fiel nach Angaben der Tageszeitung L'Unione Sarda in 24 Stunden die Regenmenge, die normalerweise in sechs Monaten auf der Insel niedergeht. Allein in der Provinz Nuoro fielen in 12 Stunden 450 Milliliter Regen pro Quadratmeter. Über 10.000 Blitze gingen während des Unwetters auf der Insel nieder, über 500 Mitarbeiter der Elektizitätsgesellschaft ENEL sind im Einsatz, um die Stromversorgung wieder herzustellen.



Am schlimmsten von dem Unglück betroffen war die Hafenstadt Olbia im Nordosten der Insel, wo eine enorme Regenmenge in kürzester Zeit kleine Rinnsale zu reißenden Flüssen machte. Ganze Straßenzüge standen kurzzeitig meterhoch unter Wasser, mehrere Menschen starben in den Kellerräumen überfluteter Gebäude. Das Stadtzentrum konnte zeitweise nur noch per Boot durchquert werden. Eine Mutter und ihre Tochter wurden in ihrem Auto von den Wassermassen weggespült. Der Bürgermeister der 55000 Einwohner-Stadt sprach von einer Wasserbombe, die in kürzester Zeit über die Stadt niederging. Heldin des Tages war eine Deutsche, die schon seit Jahren auf Sardinien wohnt: Martina Feick zog im Satdtviertel Sant'Antonio eine betagte Nachbarin und ihren Hund aus den Fluten und rettete sie so vor dem Ertrinken. Inzwischen haben in weiten Teilen Olbias trotz des Regens die Aufräumarbeiten begonnen, viele Hotels in der Hafenstadt stellen ihre Zimmer obdachlosen Bürgern kostenlos zur Verfügung - Medien berichten von bis zu 2700 Einwohnern, die ihre Bleibe verloren haben.
Eine Polizeieskorte, die bei Dorgali (Ost-Sardinien) einen Rettungswagen in das nächste Krankenhaus begleiten sollte, wurde von einem Sturzbach unter eine Brücke geschwemmt, ein Polizist starb dabei. Eine Familie aus Brasilien ertrank in einem Kellerraum in Arzachena.


In der Region Baronia stehen weite Landstriche unter Wasser. Brücken und Straßen sind teilweise zerstört und die Hauptverkehrsader der Insel, die SS131 DCN ist teilweise gesperrt. Auch im Süden der Insel richtete der "Ciclone Cleopatra" schwere Schäden an. Vor allem die Städte Uras (Provinz Oristano) und San Gavino sowie Villacidro (beide Medio-Campidano) waren betroffen. In der Inselmetropole Cagliari fielen Bäumen um und Keller liefen voll, der Stadtstrand Poetto wurde komplett überschwemmt.


Während die Aufräumarbeiten in vollem Gang sind, wird auch erste Kritik laut. Das Unwetter sei aufgrund der Bauspekulation hausgemacht. Vor allem in Olbia wurde in den letzten Jahrzehnten massiv in Wohnimmobilien und Einkaufszentren investiert, möglicherweise ohne Rücksicht auf Geologie und alte Wasserläufe. Weite Teile der nordostsardischen Stadt sind auf einem ehemaligen Sumpfgebiet erbaut. Obwohl es seit Tagen Unwetterwarnungen für Sardinien gab, wurden in Olbia keine spezifischen Vorsichtsmaßnahmen getroffen: Am Montag ging das soziale Leben in der kleinen Stadt seinen normalen Gang: Geschäfte und Schulen waren regulär geöffnet. Das Unwetter hat die meisten Bewohner also völlig überraschend erwischt.

Diese Meldung wurde im Laufe des Tages mehrmals aktualisiert. Zeitweise war von 18 Todesofer die Rede, die Behörde konnten diese Zahl im Laufe des Tages auf 16 nach unten korrigieren. Aktuelle Nachrichten gibt es auch bei uns auf Twitter unter https://twitter.com/sardinien_com

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