Donnerstag, 6. Februar 2014

Grazia Deledda, 'Schilf im Wind': Von Traditionen, Mythen und Schicksalen

In ihrem Roman 'Schilf im Wind' erzählt Grazia Deledda, die vom Schicksal bestimmte Geschichte, der ehrenwerten Familie Pintor. Handlungsort ist ein kleines Dorf an der Ostküste Sardiniens, das einiges an archaischen Traditionen, Mythen und bäuerlichen Gepflogenheiten zu bieten hat.

Die Ehre der Familie zu verteidigen ist die oberste Pflicht jedes Mannes. So sieht es Don Zame, das rechthaberische Oberhaupt der Familie. In seinem Hochmut zwingt der Patriarch seiner vier Töchter, wie die Nonnen eines Klausurordens, das Haus nicht zu verlassen und sich den häuslichen Aufgaben zu widmen.
Lia, seine dritte Tochter entzieht sich diesem Zwang, flüchtet aufs italienische Festland, heiratet, gebärt einen Sohn und stirbt. Beim Versuch die vermeintliche Schmach der Tochter zu vergelten wird Don Zame am Ortsausgang des Dorfes Tod aufgefunden.

Der Roman der sardischen Autorin beginnt mit der Ankündigung im Hause Pintor von Giacintos Ankunft. Er ist der Sohn der verstorbenen Lia. Mit seinem Erscheinen entzündet sich bei den Bewohnern des nunmehr heruntergekommenen Gutshofes ein Licht der Hoffnung.
Vor allem Knecht Efix, den ein starkes Schuldgefühl an die Pintors bindet, träumt schon seit Jahren geduldig von einem Wiederaufleben des Landgutes und der Familie, während die Schwestern nur resigniert auf ihrem Ansitz verharren.

Grazia Deledda sind atmosphärisch dichte Passagen über Traditionen, Myten, Schicksale im Sardinien des 20. Jahrhunderts gelungen. In diesem Roman aus dem Jahr 1913 hat die Autorin, die 1926 den Literaturnobelpreis erhielt, die Zwänge traditionell verankerter Dorf- und Lebensgemeinschaften anschaulich geschildert und in allen siebzehn Kapiteln einen mitreißenden epischen Atem entfaltet. Lesenswert!

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