Mittwoch, 12. März 2014

Geisterstädte, verlassene Gebäude und Fabriken – Top 10 der vergessenen Orte auf Sardinien

Geisterstädte, Fabrikruinen und jahrzehntealte Abraumhalden, verlassene Wohnhäuser, verwilderte Hotels und verfallene futuristische Designer-Ferienhäuser: Sardinien hat nicht nur traumhafte Badestrände und einsame Landschaften zu bieten, sondern auch verlassene Orte und sich selbst überlassene Industrieanlagen, Bunker und vergessene historische Gebäude. Für die einen sind sie hässliche Flecken, für Fotografen ein Paradies für ungewöhnliche Fotomotive. Manche der verlassenen Orte sind gesichert, erschlossen oder können mit Führern erkundet werden, manche sind mit Hunden gesichert, wieder andere mit Verbotsschildern geschmückt, viele aber frei zugängig – hier unsere 10 Highlights für Abenteuerlustige, Fotomotivsammler und Architekturliebhaber:

1. Industriearchäologie im Märchenwald: Die Bergwerksanlagen von Montevecchio


Blick auf die Miniere di Levante von Montevecchio

Aus den wilden Buschwäldern der CostaVerde, zwischen Ginsterbüschen, Mandelbäume, Steineichen und Akazien ragen imposante Fördertürme in den Himmel, schlagen hunderte Meter lange, verrottete Förderbände Schneisen in die Landschaft und riesige Abräumhalden kleben an den Berghängen. Heute wurden die Minengebiete zum Park erklärt und ehemalige Bergarbeiter bieten Führungen in die 1991 stillgelegten Minen und durch die verlassenen Abräumhalden an – im Frühjahr, Herbst und Winter nur am Wochenende, zur Saison auch mehrmals die Woche. Aber auch ohne Führung kann man in dem Bergarbeiterdorf Montevecchio einen Hauch vergangener Zeiten spüren: Die Plätze und breiten Straßen sind wie leergefegt, das kleine Postamt hat noch ab und zu geöffnet. Die Straße von Guspini nach Montevecchio führt direkt an den alten Minengebäuden vorbei, wer noch nicht genug von der Industriearchäologie hat, fährt von Montevecchio weiter über die unbefestigte Straße Richtung Ingurtosu: Vorbei an verfallenen Fördertürmen, riesigen Becken, die zur Waschung von gefördertem Gestein dienten und verlassenen Arbeiterheimen, Verwaltungsgebäuden und Bergwerksanlagen.

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2. Geisterdorf Gairo Vecchio

Gairo Vecchio wurde 1951 aufgegeben

Die verlassenen Wohnhäuser, Stallungen und Piazze der Geisterstadt Gairo Vecchio zeugen von einem schweren Unwetter. Nach längerer Trockenheit folgte im Jahr 1951 ein anhaltender unüblich starker Wolkenbruch und zwang die Menschen des Bergdorfs, ihre Behausungen zu verlassen. Da der Hang instabil war, musste das Dorf aufgegeben werden, nur wenige Kilometer darüber wurde Gairo neu gebaut. Heute führt eine Asphaltstraße durch den ehemaligen Ort, in manchen verlassenen Gebäuden werden Schweine gehalten, ein paar Urlauber schießen Erinnerungsfotos. Viel Reizvolles ist aber nicht übriggeblieben: Die historischen Baumaterialien wie beispielsweise Dachziegel und Balkone wurden für den Bau von auf alt gemachten Feriensiedlungen in Arbatax wiederverwendet.

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3. Ganz schön krass: Ehemalige US-Funkstation USAF auf dem Monte Limbara

Ehemalige US-Funkstation auf dem Limbara-Massiv. Foto (c) sardegnaabbandonata.it

Kalter Krieg auf Sardinien: Um die ehemalige Funkstation der United States Air Force auf dem höchsten Berg Nordsardiniens, dem Monte Limbara, ranken sich allerlei Mythen: Wurde in der 1966 eröffneten Radiostation das US-Militär im ganzen Mittelmeer koordiniert oder gar die amerikanischen Atomwaffen gelenkt? Über die riesigen Parabolantennen wurde wohl auch noch Teile des ersten Golfkriegs gesteuert – bevor Satelliten die Radiostation erstetzen. Kurze Zeit gehörte die Anlage, von der man einen wunderbaren Blick auf den ganzen Norden Sardiniens hat, noch vom italienischen Militär genutzt, 2008 ging sie in den Besitz der Region Sardinien über, einen Nutzngsplan für die Radio- und Verwaltungsgebäude, Kasernen, amerikanischen Bars und das ehemalige Postamt der US Mail gibt es bis heute nicht.

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4. Batteria di Capo d’Orso

Die Verteidigungsanlagen von Capo d'Orso

Wer heute auf die edlen Jachten und großen Segelboote, die zwischen Palau, dem Golf von Arzachena und den Inseln des La Maddalena-Archipels blickt, kann schnell vergessen, dass diese wuchtigen Granitfelsen einst schwer umkämpft waren: Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die strategisch wichtigen Felsen rund um Palau und auf La Maddalena militärisch befestigt und hochgerüstet – so entstanden unter anderem die Festung von Punta Altura und der Ausguck von Punta Sardegna bei Porto Rafael – sowie direkt unter dem berühmten Bärenfelsen, der jährlich tausende Touristen anzieht – die Festung von Capo d'Orso. Die in sardischem Granit massiv erbauten Plattformen, Verteidigungsmauern und Gräben, Artellerietürmen und Militärbatterien wurden bis zum zweiten Weltkrieg genutzt und verfallen seither.


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PDF-Dokument Le Fortificazioni del litorale di Palau http://www.palauturismo.com/attachments/article/155/Le%20fortificazioni%20del%20litorale.pdf


5. La Cupola: Verlassenes Glanzstück der Architektur von Dante Bini an der Costa Paradiso

La Cupola - das ehemalige Liebesnest von Monica Vitti und Michelangelo Antonioni. Foto (c) sardegnaabbandonata.it

Das spacige Kuppelhaus an der Costa Paradiso, das langsam an der salzigen Meeresluft verrottet, gehörte einst Schauspielerin Monica Vitti mit dem Regisseur Michelangelo Antonioni und ist ein architektonisches Meisterwerk mit atemberaubendem Meerblick. Bei der von dem Star-Architekten Dante Bini patentierten Binishell-Technik wird ein großer, aufgeblasener Gummiballon in ein Stahlgerüst eingehängt und mit Beton bespritzt. Wenn dieser ausgehärtet ist werden Türen und Fenster in die so entstandene Kuppel eingeschnitten – wegweisende Archiketur der 1960-er Jahre, die jetzt im Norden Sardiniens vergammelt. Der Feuiletton der FAZ will herausgefunden haben, dass das Anwesen heute einer neapolitanischen Familie gehört, die es seit Jahren verfallen lässt.

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6. Hotel Su Sirboni in der Ogliastra



Eine traumhafte Sandbucht, eingerahmt von leuchtend roten Prophyrfelsen, glasklares Wasser, zu erreichen nur über einen 20-minütigen Fußmarsch, rundherum nichts – außer einem seit Jahrzehnten verfallen Luxus-Feriendorf. Die kleinen, schneeweißen Türmchen, die aus dem dichten Macchiawald emporragen, waren nur wenige Jahre in Betrieb – ein Rechtsstreit zwischen den Eigentümern und der Gemeinde Gairo hat die Anlage stillgelegt. Jetzt scheint nur noch eines der Gebäude vom Wachmann bewohnt zu sein – und eine Horde Hunde und jede Menge Verbotsschilder vermeiden, das Neugierige Urlauber auf Fotosafarie gehen.



7. Argentiera: Hier gruben schon die Römer nach Silber
Die verlassene Silbermine von Argentiera
















Die Silbermine Argentiera befindet sich im Nordwesten der Insel, nur wenige Kilometer nördlich von Alghero. Vom 1963 geschlossenen Silberbergwerk sind unter anderem die aus Holz gebauten Wohnhäuser erhalten, einige davon werden zur Zeit renoviert, ein Literaturfestival haucht jedes Jahr Ende Juli ein wenig Leben in die Geisterstadt. In den Buchten unterhalb von Argentiera, die von der Silberindustrie als Naturhafen genutzt wurden, kann man wunderbar einen Badestopp einlegen

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8. Lido Iride in Platamona – Luxuriöse Badeanstalt direkt am Meer


Lido Iride in Platamona Foto (c) sardegnaabbandonata.it

In den goldenen 1960-er Jahren gaben sich am Lido Iride, dem Stadtstrand der nahen Inselmetropole Sassari, die italienischen Stars und Sternchen die Klinke in die Hand: Mike Buongiorno, Teddy Reno und Claudio Villa waren im Lido und der Rollschuhbahn, Tennisplatz, dem Restaurant und Ballsaal sowie dem Swimmingpool Stammgäste. Heute kommen die Sturmfluten bis an das Schwimmbad heran, seit 1987 stehen die Stahlbetonwände des Strandhauses leer unnd sind sich selbst überlassen. 2014 soll die Entscheidung fallen, was mit dem Betonskelett am Meer geschehen soll.

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9. Villaggio di Monte Narba, San Vito


Einst Arbeitsplatz für 500 Bergleute: Villaggio di Monte Narba. Foto (c) sardegnaabbandonata.it


Unweit des verschlafenen San Vito im Südosten Sardiniens stand einst eine der größten Blei- und Silberminen Sardiniens. In Monte Narba arbeiteten zu Hochzeiten 900 Bergarbeiter, auf 14 Stockwerken gingen die Stollen bis zu 500 Meter unter die Erde. Heute rotten die 1935 verlassenen Gebäude einsam vor sich hin – ungeschützt und nicht abgesperrt. Foto-Abenteurer sind zu Vorischt aufgerufen – vor allem der dreistöckige Luxuspalazzo des Minendirektors, die Villa Madama mit ihren künstlerischen Deckengemälden, ist massiv vom Einsturz bedroht. Doch nicht nur Wind und Wetter bedrohen die alten Gemäuer – auch das Geröll der Abräumhalden droht die Palazzi und Hallen langsam unter sich zu begraben.

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10. Verlassenes Dorf aus dem Mittelalter: Das Museumsdorf von Tratalias


Bei einer Besichtigungstour kann man durch die engen Gassen spazieren.

Mitten in der unteren Sulcis-Ebene liegt ein kleines Weiler, das in seiner langen Geschichte gleich mehrmals verlassen wurde. Den Todesstoß gab dem Dorf aber der Bau eines Staudamms im Jahre 1954. Durch den veränderten Grundwasserspiegel wurden die alten Häuser häufig überschwemmt, Feuchtigkeit und Schimmel bedrohten die Gesundheit der Bevölkerung. Das Dorf wurde umgesiedelt, nur 45 mittelalterliche Gebäude und die ehemalige Kathedrale blieben stehen. Heute ist Tratalias ein Freilichtmuseum und eines der wenigen verlassenen Orte Sardiniens, die erschlossen, wieder hergerichtet und offiziell Urlaubern zugänglich sind.

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http://www.comune.tratalias.ca.it/index.php?option=com_content&task=view&id=15&Itemid=28

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