Die erste Februarhälfte 2012 dürfte in die meteorologische Geschichte Sardiniens eingehen: So kalt wie in diesem Jahr war es auf der großen Mittelmeerinsel noch nie! Tagelanger Schneefall, Rekord-Minustemperaturen, bis auf die Wetterstation Domus de Maria ganz im Süden der Insel haben alle 55 offiziellen Thermometer am Montag Nacht Frostgrade gemessen. Ergiebige Schneefälle im Norden Sardiniens hatten am Wochenende die Flughäfen Olbia und Alghero lahmgelegt und die weiße Pracht fiel in der Gallura und der Costa Smeralda bis auf Meereshöhe. Selbst in der Inselhauptstadt Cagliari fielen einige Schneeflocken. Klirrend kalt wurde es in den Bergen: In der Barbagia von Gavoi wurden zu Wochenbeginn minus 17 Grad gemessen, das ist die niedrigste Temperatur, die auf Sardinien jemals verzeichnet wurde. In Fonni, wo Sardiniens einziges Skigebiet liegt, gibt es zur Zeit bis zu 1,60 Meter Schnee. Die Minusgrade und starken Schneefälle haben schwere Folgen für die Landwirtschaft der Insel: Viele Feldfrüchte vertragen den Frost nicht, viele Schafzuchtbetriebe in den Bergen konnten ihr Vieh nicht eintreiben.
Mit dem frostigen Wetter dürfte es aber in den nächsten Tagen vorbei sein. Pappnasen und Jecken auf Sardinien dürfen sich vor allem im Flachland über Tageshöchsttemperaturen von bis zu 14 Grad freuen, dazu soll in weiten Teilen der Insel über die Faschingstage die Sonne scheinen.
"Sas Tuvas” – Brauchtumsfeuer am gestrigen Sonntag in Bortigali im Zentrum von Sardinien
In vielen Orten auf Sardinien gehört ein großes knisterndes Feuer zum Namenstag des Heiligen Antonius wie das Fest am Abend davor. Schon in der Nacht auf den 17. Januar wird nämlich gefeiert, als ob es kein Morgen danach gäbe.
In Bortigali, einem knapp 1200-Seelen-Dorf im Zentrum von Sardinien wurde sas tuvas, das große Sant'Antonio-Abate-Feuer am vergangenen Wochenende unter krachenden Böllern und kreischenden Raketen entzündet.
In den Morgenstunden des Sonntags, als die Feuer noch glühten, wurden dann die Vorbereitungen für das üppige Grillfest am Abend getroffen. Typisch ist ein riesiges gegrilltes Kalb, das mit einem süßen, rubinroten Wein unter den Anwesenden verteilt wird.
Das Fest, das für Erneuerung steht ist auf Sardinien auch der Starttermin für den Karneval. Der 17. Januar ist allerdings nur der Auftakt. Die eigentlichen Tage der Ausgelassenheit und des Feierns fallen in die Karnevalszeit.
Wer am vergangenen Wochenende nicht dabei sein konnte, hat am Sonntag, den 29. Januar 2012 noch einmal die Möglichkeit, denn dann werden in Bortigali erneut Freudenfeuer entzündet und Grillfleisch sowie Wein gereicht.
Das Maskenfest wird aus organisatorischen Gründen am Wochenende nach Karneval ausgerichtet, damit viele Gruppen kommen können.
Nach Angaben des Kulturreferenten der Gemeinde Nuoro präsentieren am Samstagmorgen von 10.00 bis 13.00 Uhr zunächst Kunsthandwerker aus verschiedenen Regionen Sardiniens typische Karnevalsmasken in der zentralen Casa Sulis. Die Fastnachtsmasken zeichnen sich durch eine hohe handwerkliche Qualität und eine eigene gestalterische Handschrift aus.
Um15.00 Uhr startet hingegen der Maskenumzug durch die Straßen Nuoros. Er bewegt sich von dem Piazza Sardegna über die Via Lamarmora und den Corso Garibaldi bis zum Piazza V. Emanuele. Im Anschluss, gegen 19.00 Uhr, ist ein großes Fest auf dem Platz geplant.
Rekordsieg bei der Sartiglia in Oristano an der Westküste von Sardinien
Mit 28 aufgespießten Sternen endete gestern Abend eines der spannendsten Karnevalsereignisse der Insel: Die Sartiglia in Oristano. Am Dienstag, den 8. März 2011 ging an der Westküste von Sardinien der zweite Termin des historischen Rennturniers über die Bühne. Zahlreiche Zuschauer verfolgten auf den Tribünen die spannende Jagd auf den Silberstern und lieferten eine lautstarke Kulisse. Der zweite Wettkampftermin wird traditionell vom Gremium der Tischler organisierte. Der erste Tag des Rennspektakels, der von der Vereinigung San Giovanni ausgerichtet wird, fand bereits am vergangenen Faschingssonntag statt.
Schon im Mittelalter trafen sich ehrwürdige spanische Reiter, um ihre Geschicklichkeit und Kräfte zu messen. Seit 1546 ist nun Oristano Schauplatz eines solchen Turniers, welches vermutlich erstmals zu Ehren von Kaiser Karl V. in der Provinzhauptstadt ausgetragen wurde.
Ziel des Wettkampfes ist es, in vollem Galopp einen aufgehängten Silberstern aufzuspießen. Gelingt es den Reitern den Stern zu stechen, wird es ein gutes Jahr, denn von der Anzahl der Sterne hängt die Jahresernte ab. Von der Geschicklichkeit der Reiter hängt das Schicksal des Städtchens ab.
Das Reiterturnier findet alljährlich am Rosenmontag statt und erinnert an das historische Rennen Sa Sartiglia. Wie beim Pferdespektakel das jedes Jahr am Faschingssonntag und Veilchendienstag stattfindet und vermutlich erstmals zu Ehren von Kaiser Karl V. im Jahr 1546 ausgetragen wurde, erlebt auch das Publikum der Sartigliedda die Einkleidung des Waffenmeisters, das Rennen um den Silberstern und die Kunstfiguren auf den galoppierenden Ponys und Wildpferdchen - nur das es sich bei den Mitstreitern der Sartigliedda um Kids im Alter von 12 bis 16 Jahren und nicht um Erwachsene handelt.
Bei der Sartigliedda können die Zuschauer die sardischen Wildpferdchen der Giara kennen lernen. Anspruchslos, robust und zuverlässig stellen sie ein ideales Reitpony dar und versuchen sich gegenseitig im Kampf um den Stern zu übertrumpfen.
Das Pferderennen beginnt am frühen Nachmittag und kann von den Besucher von mehreren Tribünen aus mitverfolgen werden.
Das Rennspektakel für Jugendliche wird zudem jedes Jahr im Rahmen der „Festa del Mare“ am 15. August an der Strandpromenade von Torregrande bei Oristano wiederholt.
Faschingsdienstag auf Sardinien: Karnevalstraditionen in Oristano und Bosa
Das prachtvolle Reiterfest "Sa Sartiglia" in Oristano ist ein spannender Wettstreit rund um Reitergeschick und traditionelle Kostüme: In atemberaubender Geschwindigkeit gehen prachtvoll geschmückte Reiter auf die Jagd nach einem Silberstern, der mit dem Degen aufgespießt werden muss. Im Galopp geht es dabei durch die engen Gassen der Altstadt von Oristano und zahlreiche Zuschauer drängen sich in den Straßen, den Tribünen und entlang der Rennstrecke. In diesem Jahr fiel das Resultat der Jagd nach dem Silberstern eher mager aus: Gerade mal 15 Sterne haben die Helden am gestrigen Sonntag aufgespießt- schlechte Vorzeichen für die Provinzhauptstadt im Westen Sardiniens? An der Anzahl der aufgespießten Sterne lässt sich das Schicksal des Städtchens ablesen, so will es zumindest die Legende. Wer die Sartiglia 2010 nicht verpassen will, hat morgen noch einmal Gelegenheit: Am Faschingsdienstag findet traditionell die letzte Parade statt.
Ganz schön kühn geht es am Faschingsdienstag in Bosa zu. In der mittelalterlichen Stadt im Westen der Insel bringen Narren und Jecken ihre Karnevalsbotschaft auf ganz unkonforme Art unter die Leute: Entstellte Puppen, Sinnenfreuden und Sexualitätund unmissverständlichen Phallussymbole gezeigt, deren Darstellung während des närrischen Faschingsdienstag als nicht anstößig empfunden wird. Das Faschingsfest in Bosa, das den ganzen Dienstag andauert, endet traditionell mit einer Nubbelverbrennung, bei der mehrere Figuren unter lautem Geheule und Wehklagen verbrannt wurden, denn mit dem Sündenbock gehen alle Sünden der närrischen Zeit in Flammen auf. In Bosa mitzumischen ist ein echtes Erlebnis! Publikum und Gäste werden in den närrischen Spaß einbezogen und wer will, wird gern mit einem guten Schluck Wein für seine Teilnahme belohnt.
Sant’Antonio Abate: Karnevalsauftakt in Mamoiada im Inland von Sardinien
Auf Sardinien finden sich das ganze Jahr über viele Anlässe, um nach Herzenslust ausgelassene Feste zu feiern. Den alljährlichen Auftakt macht am 16. und 17. Januar 2010 die Feier zu Ehren des Heiligen Antonio Abate in Mamoiada, die offiziell den sardischen Karneval einleitet. Dieses schaurig schöne Fest erlebt am kommenden Sonntag seinen Höhepunkt in einem Narrenumzug der Mamuthones und Issohadores durch das Bergdorf in der wunderschönen Barbagia di Ollolai. Am Abend des 16. Januar werden riesige Holzfeuer neben den Kirchen die dem Heiligen Antonio Abate gewidmet sind entzündet. Sie brennen die ganze Nacht durch und aus dem dicken, aufsteigenden Rauch ist angeblich zu ersehen, ob das neue Erntejahr unter einem guten oder schlechten Vorzeichen beginnt. Der Tag danach ist der Starttermin für Mamuthones und Issohadores: Wild hüpfende Zottelmonster mit großen, dumpf scheppernden Glocken und lasso-werfende Wächter in signalroten Kostümen. Zwecks Unterhaltung und Heiterkeit machen sich einige von ihnen einen Spaß draus, nicht nur die närrischen, wüst dreinschauenden Mamuthones, sondern auch Zuschauer mit dem Lasso einzufangen. Der 17. Januar ist jedoch nur der Auftakt, die eigentlichen närrischen Tage fallen in die Karnevalszeit im Februar.
Ganz schön kühn – Faschingsdienstag in Bosa an der Westküste von Sardinien
In Bosa, dem mittelalterlichen Städtchen an der Westküste von Sardinien haben Narren und Jecken ihre Karnevalsbotschaft gestern auf ganz unkonforme Art unter das Publikum gebracht.
Höhepunkte des "Karrasegare Osinku" waren am Vormittag "S'Attittidu" (der Klagegesang) und am Abend, sobald es dunkel wurde der „Giolzi“ (der Karneval auf der Flucht). Ganz in Schwarz gehüllt waren die Bewohner des Ortes, die morgens durch die Strassen irrten und nach einem Tikkirigheddu de latte - einem Schluck Milch schrien, für die Puppe die sie in den Armen hielten. Die wehklagenden Frauen beweinten das hungernde Kind, das von seiner Mutter in der Nacht verlassen wurde, um sich dem Karnevals-Party-Rausch hinzugeben. Die Puppen waren entstellt und assoziierten Sinnenfreuden und Sexualität. Oft wurden sie mit unmissverständlichen Phallussymbolen gezeigt, deren Darstellung während des närrischen Faschingsdienstag als nicht anstößig empfunden wird. Am Abend präsentierten sich die vormals Trauernden ganz in Weiß - ein Bettlaken als Umhang, ein Bettbezug oder Handtuch als Kopfbedeckung. Sie suchten den Giolzi – den Karneval, der heute schon wieder vorbei ist und sich mit Vorliebe im Genitalbereich versteckt hielt. Sie machten vor keinem halt und leuchteten mit Kerzen und Laternen jeden an, der ihnen über den Weg lief. Dann riefen sie: „Giolzi! Giolzi! Ciappadu! Ciappadu! – Giolzi! Giolzi! Ich hab ihn! Ich hab ihn!“. Das Faschingsfest endete mit einer Pupazzi-Verbrennung, bei der mehrere Figuren unter lautem Geheule und Wehklagen verbrannt wurden, denn mit den Pupazzi gehen alle Sünden der närrischen Zeit in Flammen auf. Hier mitzumischen war ein wahres Erlebnis! Publikum und Gäste wurden in den närrischen Spaß mit einbezogen und wer wollte mit einem guten Schluck Wein belohnt.