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Mittwoch, 3. Februar 2010

Billigflüge nach Sardinien: Ryanair schaltet Sommerflugplan für Verbindungen nach Alghero und Cagliari frei

Der irische Billigflieger Ryanair hat seinen Sommerflugplan 2010 für Flüge nach Sardinien freigeschaltet. Von April bis Oktober 2010 wird die zweitgrößte Mittelmeerinsel von mehreren deutschen Flughäfen angesteuert. Wermutstropfen für Insel-Fans: Die einzigen Österreich- und Schweiz-Verbindungen der Iren, Graz-Alghero und Basel-Cagliari, werden im Sommer diesen Jahres nicht mehr angeboten. Auch die Strecke Hamburg/Lübeck-Alghero taucht im Sommerflugplan 2010 nicht mehr auf.
Ab April geht es ab Frankfurt-Hahn täglich nach Alghero sowie dienstags, donnerstags und sonnabends nach Cagliari. Ab Düsseldorf-Weeze fliegen die Iren dienstags, donnerstags und samstags nach Cagliari sowie montags und freitags nach Alghero. Jeweils mittwochs und sonntags heben die Boeing 737-800 der Fluggesellschaft vom Baden-Airpark bei Karlsruhe in Richtung der sardischen Inselhauptstadt Cagliari ab. Von Memmingen im Allgäu, von den spitzfindigen Billigfliegern werbeträchtig München-West getauft, kann man im Sommer 2010 jeweils montags und freitags in das nordwest-sardische Alghero fliegen. Der Flughafen Bremen ist die Wahl für Sardinien-Fans aus Norddeutschland: Von der Hansestadt aus heben die Flieger jeweils dienstags und donnerstags Richtung Alghero ab.
Ob 2010 kurzfristig, wie im letzten Jahr, noch weitere Sardinienverbindungen in den Ryanair-Flugplan aufgenommen werden, darf bezweifelt werden. Die Fluggesellschaft aus Dublin fordert von der Region Sardinien Marketingzuschüsse in Höhe von fünf Millionen Euro, die die Region aber nicht zu zahlen bereit ist. Die Inselregierung kofinanziert die Ryanair-Verbindungen nach Cagliari und Alghero bereits jetzt mit circa sieben Millionen Euro. Das sind 1,2 Millionen Euro weniger als 2009, berichtet die sardische Tageszeitung L’Unione Sarda. Die Region möchte ihre Gelder lieber anderweitig ausgeben: Man stehe bereits in Verhandlungen mit Easyjet über weitere Verbindungen auf die Insel, wird spekuliert. Außerdem sollen die Flughäfen Oristano-Fenosu und Tortolí-Arbatax ausgebaut werden, betonte Insel-Gouverneur Ugo Capellacci am 2. Februar 2010 auf einer Kabinettssitzung in Arzachena.

>> Übersicht über alle Flüge nach Sardinien

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Montag, 8. Juni 2009

Berlusconi gewinnt bei niedriger Wahlbeteiligung nur knapp die Europawahlen auf Sardinien

Trotz der Skandale um Silvio Berlusconi hat die Mitte-Rechts-Partei Il Popolo delle Libertá (PdL) des italienischen Ministerpräsidenten die Europawahl auf Sardinien mit 36,64 % knapp einen Prozentpunkt vor der Linkspartei Partito Democratico (PD) gewonnen. Dennoch sind die Linken auf Sardinien mit ihrem Wahlergebnis zufrieden: Auf der Insel hat die PD etwa 10 Prozent mehr Stimmen als im nationalen Wahlergebnis erringen können.
Der Ausgang der Wahlen auf Sardinien wird von Beobachtern als Protestwahl angesehen. Zum einen gingen bei der extrem niedrigen Wahlbeteiligung von knapp 41 Prozent nur wenige Sarden zu den Urnen. Die Wahlbeteiligung ist in Italien und auf Sardinien traditionell sehr hoch und lag bei der letzen Europawahl vor fünf Jahren auf der Insel noch bei 74,4 Prozentpunkten.
Zum anderen drückten die Sarden wohl mit dem Wahlergebnis ihren Unmut über jüngste politische Entscheidungen wie die Verlegung des G8-Gipfels von La Maddalena nach L’Aquila und der Untätigkeit der neuen sardischen Mitte-Rechts-Regierung von Ugo Cappellacci bei der regionalen Industriepolitik aus.
Aber auch das nicht eingehaltene Wahlversprechen Berlusconis, Sardinien zu den diesjährigen Europawahlen mit einem eigenen Wahlkreis auszustatten, dürfte viele Wähler vom Gang zur Urne abgehalten haben. Sardinien schickt mit Sizilien, die zusammen den Wahlkreis Italia Insulare bilden, insgesamt neun Volksvertreter nach Straßburg. Bisher hatte es aber noch kaum ein sardischer Abgeordneter nach Straßburg geschafft, denn die italienische Regione Sicilia hat mehr als dreimal so viele Einwohner wie Sardinien und dementsprechend Anspruch auf die oberen Listenplätze.
Kaum Einfluss auf das Wahlergebnis dürften die jüngsten Gerüchte um Silvio Berlusconi gehabt haben. Seine angebliche Affäre mit einer heute 18-jährigen Schülerin, die öffentlichen Schlammschlacht um seine Scheidung und der Skandal über angebliche Orgien in der Privatvilla Certosa im sardischen Porto Rotondo haben dem Wahlergebnis der Mitte-Rechts-Partei PdL weder auf nationaler noch regionaler Ebene ernsthaft geschadet.
(Bild: Europaparlament in Straßburg/Wikimedia)


>> Wahlergebnisse auf Sardinien bei L’Unione Sarda
>> Spiegel Online: Berlusconis Konservative trotzen den Skandalen

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Donnerstag, 9. April 2009

Erdbeben in den Abruzzen: Auch Sardinien hilft mit Solidarität und Hilfsgütern

Nach dem verheerenden Erdbeben in den Abruzzen am vergangenen Montag will auch die Region Sardinien dazu beitragen, die Not in der mittelitalienischen Krisenregion zu lindern. Regionalpräsident Ugo Cappellacci hat der Region Abruzzen die Solidarität der Sarden versprochen und eine Soforthilfe von 100.000 Euro zugesagt. Eine Eingreiftruppe des sardischen Zivilschutzes mit insgesamt 480 Helfern steht auf Abruf bereit. Die Sarden wollen mit Hundestaffeln, schwerem Räumgerät, Wassertransportern, Ambulanzen, Feldküchen und Stromgeneratoren helfen. Außerdem sollen die sardischen Universitäten Studenten der Universität von L’Acquila aufnehmen, die kurz vor ihrer Abschlussprüfung stehen, um Ihnen einen reibungslosen Studienabschluss zu ermöglichen.

Sardinien selbst war von dem Erdbeben in Mittelitalien nicht betroffen. In Italien, das zu den geologisch aktivsten Ländern Europas gehört, stößt die afrikanische mit der eurasischen Platte zusammen. Sardinien gilt jedoch als weitgehend erdbebensicher. Vermutlich ist das geologische Deckmaterial der Insel besonders tief mit Richtung Erdmitte reichenden Gesteinsmassen verbunden.

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Mittwoch, 8. April 2009

Wappen-wechsel-Dich: Die Region Sardinien ändert ihr offizielles Regionalwappen

Der neue Regionalpräsident Ugo Cappellacci hat vor zwei Wochen ein Dekret unterzeichnet, das mit umgehender Wirkung das Regionalwappen von 1952 wieder einsetzt. Erst 2005 hatte der damalige Gouverneur Renato Soru das in die Jahre gekommene Wappen durch die Flagge der Region ersetzt.

Wappen-wechsel-Dich: Die Region Sardinien kehrt zu ihrem alten Regionalwappen (links) zurück


Das alte und jetzt wieder aktuelle Logo der Regione Autonoma della Sardegna zeigt ein kleines, golden eingefasstes Symbol mit den vier Mohren, deren Gesichter nach links gewandt und mit Augenbinden versehen sind. Die Flagge Sardiniens hingegen zeigt vier nach rechts gewandte Mohrenköpfe mit Stirnband. Die Fahne greift damit Symboliken aus der sardischen Unabhängigkeitsbewegung auf, die das Sardinien-Symbol mit Stirnband statt Augenbinde darstellten und damit Aufklärung, Befreiung und Emanzipation der Sarden demonstrieren. Die Sardinien-Flagge ist in dieser Form seit 1999 offiziell in Gebrauch.
Die Rückkehr zum alten Wappen ist für Ugo Cappellacci ein Akt „der Bewahrung von Kulturerbe, dessen historische und symbolische Bedeutung dazu beiträgt, das kulturelle Erbe zu bewahren und Stetigkeit in das Archiv der Verwaltungsakte bringt“. Kein Wunder, dass nach diesem Dekret alle offiziellen Dokumente, Unterlagen, Siegel, Stempel, Briefpapier, Visitenkarten, Prospekte und Werbemittel, die das Wappen der Region tragen und erst vor vier Jahren neu aufgelegt wurden, neu gedruckt und die Webseiten der Region umgestellt werden.
Dieser symbolische Akt und die Eile, mit der das Dekret verabschiedet wurde, ist ein eindeutiges Zeichen dafür, wie die neue sardische Regierung mit den politischen Entscheidungen der Vorgängerregierung abrechnen will. Für Kritiker ist dieses Spiel des Wappen-wechsel-Dich ein Symbol der politischen Restauration der neuen Mitte-Rechts-Koalition, die seit einem Monat die Geschicke der Regionalregierung leitet.

(Grafik: L'altra Voce)

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Dienstag, 17. Februar 2009

Regionalwahl Sardinien 2009: Ugo Cappellacci gewinnt die Wahlen zum Gouverneur von Sardinien


Nach den letzten Auszählungen hat der Mitte-Rechts Kandidat Ugo Cappellacci die Wahlen zum Gouverneur von Sardinien gewonnen. Nach einer langen Wahlnacht steht das vorläufige Ergebnis fest: Cappellacci gewinnt mit ca. 52 Prozent weit vor Soru mit 43 Prozent der Stimmen. Vor der Wahl war ein Kopf an Kopf-Rennen der beiden Kandidaten Ugo Cappellacci (Mitte Rechts) und Renato Soru (Mitte-Links) erwartet worden. Cappellacci war auf Regionalebene weitgehend unbekannt, hat aber auf Anhieb die absolute Mehrheit der Stimmen eingeholt. „Ich habe erwartet zu gewinnen, aber dieses Resultat hat selbst meine Erwartungen übertroffen“, kommentierte Cappellacci das klare Wahlergebnis.
Die Regionalwahl auf Sardinien galt einerseits als Stimmungstest für die nationale Politik und die Europawahlen im Juni, andererseits aber auch als Wahl zwischen zwei illustren Persönlichkeiten: Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte sich im Wahlkampf prominent für den Mitte-Rechts-Kandidaten eingesetzt. Auf der linken Seite der politischen Skala stand der zurückgetretene Mitte-Links-Politiker und bekannte Unternehmer Renato Soru, der 2004 die Präsidentschaftswahl mit 50,13 Prozent knapp gewonnen hatte. Den Präsidentschaftskandidaten der Sozialisten und zweier sardischer Unabhängigkeitsbewegungen waren von Anfang an nur geringe Chancen auf das höchste sardische Amt eingeräumt worden.
Gewählt wurde neben dem Regionalpräsidenten auch das sardische Regionalparlament. Aufgrund der Möglichkeit der Vergabe von getrennten Stimmen für das Amt des Präsidenten und für die Wahllisten für das Parlament hat der neue Präsident eine solide Mehrheit auch in der Regionalkammer: Mit fast 57 Prozent gegenüber 39 Prozent der Opposition von Mitte-Links steht eine geschlossene Parlamentsmehrheit hinter Cappellacci.
Die Regionalwahlen hatten eine geringe Wahlbeteiligung. Lediglich 67,58% der Wahlberechtigten hatten ihre Stimme abgegeben. 1.473.054 Sarden waren zur Wahl aufgerufen, Exilsarden konnten von vergünstigten Fährtickets und der Erstattung von Flugtickets profitieren.



>> Mehr zu den Wahlen auf der Website der Region Sardinien
>> Alle Wahlergebnisse bei La Repubblica
>> Speziale Elezioni der L’Unione Sarda
>> Wahlergebnisse bei L’Unione Sarda
>> Alle Informationen zum Wahlkampf zu den Regionalwahlen auf Sardinien

Fotos: Ugo Cappellacci auf einer Wahlkampfveranstaltung in Olbia, Quelle: http://www.ugocappellacci.it/ (oben); Renato Soru vor Journalisten in seinem Wahlampfbüro, Quelle: http://www.sardinien.com/

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Mittwoch, 11. Februar 2009

Regionalwahl 2009: TV-Duell aller Präsidentschaftskandidaten. Am Freitag geht der Wahlkampf auf Sardinien zu Ende

Mit einem überraschend angekündigten TV-Duell steuert der Wahlkampf zu den sardischen Regionalwahlen heute auf seinen vorläufigen Höhepunkt zu. Alle Kandidaten für den Posten des Präsidenten der Region, Gavino Sale, Renato Soru, Ugo Cappellacci, Gianfranco Sollai und Peppino Balia, treten am 11. Februar um 21 Uhr in einer Live-Debatte gegeneinander an. Zuvor war ein TV-Duell der beiden Favoriten Cappellacci und Soru mehrmals verschoben und schlussendlich abgesagt worden. Die Live-Sendung wird von den beiden Regionalsendern Sardegna 1 und Videolina übertragen und ist auch über den Satelliten Eutelsat Hotbird sowie im Internet-Livestream zu empfangen.
Der Wahlkampf geht offiziell am Freitagabend mit den Schlussveranstaltungen zu Ende. Gewählt wird am Sonntag und Montag, 15./16. Februar und die ersten vorläufigen Wahlergebnisse werden für Montagabend gegen 21 Uhr erwartet.

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Mittwoch, 4. Februar 2009

Regionalwahlen auf Sardinien: Schlammschlachten zwischen Renato Soru und Silvio Berlusconi und wenig Inhalte

Der kurze, aber intensive Wahlkampf zu den Regionalwahlen auf Sardinien gerät immer mehr zu einer Schlammschlacht. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der den farblosen Rechtskandidaten Ugo Cappellacci mit zahlreichen Wahlkampfauftritten auf der Insel unterstützt, nutzt die geballte Medienmacht seines Mediaset-Konzerns und der konservativen Regionalmedien L’Unione Sarda und Videolina, um kräftig Stimmung gegen den zurückgetretenen Gouverneur Renato Soru zu machen. Auf medienwirksamen Wahlkampfveranstaltungen hat Berlusconi seinen politischen Widersacher bezichtigt, auf Kosten der Region Bestechungsgelder eingesackt zu haben, in TV-Interviews nennt er den Mitte-Links-Kandidaten einen „Schlangenbeschwörer“ und „Verlierer, der seine Firmen und seine Region in den Ruin getrieben hat“.
Renato Soru, sonst kaum für schlagzeilengerechte Auftritte bekannt, hat den italienischen Ministerpräsidenten wiederum medienwirksam wegen Verleumdung angezeigt und den Anschuldigungen erwidert: „Ich finde es traurig, dass ein 73-jähriger Mann meint, beleidigen und verleumden zu können und die Leute übers Ohr zu hauen“.
Tatsächlich geht es im sardischen Wahlkampf kaum um Inhalte, sondern um Personen. Während der Rechtskandidat Ugo Cappellacci, der im Schatten Berlusconis kaum einmal zu Wort kommt, mit seinem Parteivorsitzenden durch die Provinzhauptstädte tingelt und über Fußball, Gartenarbeit und Weltpolitik plaudert, setzt der Lokalpatriot Renato Soru vor allem auf volksnahe Wahlkampftouren durch sardische Kleinstädte, beruft sich auf sardischen Regionalstolz und wettert gegen die Bevormundung aus Rom.
Der Personality-Wahlkampf auf Sardinien ist nicht nur dem hohen Bekanntheitsgrad des Selfmade-Politikers Renato Soru geschuldet. Auch die starke Rolle des Gouverneurs in der sardischen Regionalverfassung tut ihr Übriges dazu. Der Präsident und die Regionalversammlung werden seit 2004 zeitgleich, aber getrennt voneinander gewählt: So kann es durch Stimmensplitting durchaus vorkommen, dass ein Präsident ohne Parlamentsmehrheit regiert. Die Rolle der Parteien wird so in der Öffentlichkeit geschwächt und die starke Zersplitterung der sardischen Parteienlandschaft in mehrere Lager sowie nationale und regionale Bewegungen tut ihr Übriges dazu.Wie die Wahl am 15./16. Februar ausgeht, ist noch ungewiss. Vor der Wahl dürfen in Italien keine Umfrageergebnisse veröffentlicht werden. Traditionell ist die Wahlbeteiligung in Italien im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sehr hoch.

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Mittwoch, 7. Januar 2009

Soru tritt endgültig zurück und Sardinien wählt: Vorgezogene Regionalwahlen am 15. und 16. Februar 2009

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2008 wurde der vorläufige Rücktritt des sardischen Gouverneurs Renato Soru offiziell, das Regionalparlament aufgelöst und damit der Weg für vorgezogene Neuwahlen am 15. und 16. Februar 2009 frei. Soru war Mitte November 2008 nach einer geplatzten Abstimmung über das sardische Raumplanungsgesetz „legge urbanistica“ zurückgetreten. Bereits Mitte Februar ist das Wahlvolk aufgefordert, den zurückgetretenen Renato Soru oder den Mitte-Rechts-Kandidanten Ugo Cappellacci zum neuen Gouverneur der Autonomen Region Sardinien zu wählen. Den Kandidaten mehrerer sardischer Unabhängigkeitsbewegungen werden keine Chancen ausgerechnet.
Wahllisten und Kampagnen wurden in Rekordzeit erstellt und müssen bis spätestens nächste Woche abgegeben werden. Der Wahlkampf hat bereits jetzt begonnen: Cappellacci und Soru starten diese Woche ihre Kampagnen.

Der 51-jährige Renato Soru ist ein Politik-Quereinsteiger und Gründer der sardischen Telekommunikationsfirma Tiscali und gehört zu den wohlhabendsten Männern Italiens.
Er wurde 2004 mit einem zehnprozentigen Vorsprung zu seinem rechtspopulistischen Gegenkandidaten Mauro Pili zum Gouverneur von Sardinien gewählt. Auf seine Amtszeit als sardischer Gouverneur gehen grundlegende Finanzreformen zurück: Sardinien fiel aus dem höchsten Fördersatz des Europäischen Regionalfonds. Seine Regionalsteuer auf Zweitwohnungen und –häuser wurde teilweise für verfassungswidrig erklärt, seine Luxussteuer auf Privatjachten und Privatjets sorgte für Ärger unter Jetset-Urlaubern an der Costa Smeralda. Aufsehen erregte das Küstenschutzgesetz „legge salvacoste“, dass erstmalig einen Raumordnungsplan für die Küste Sardiniens vorsah. Der G8-Gipfel im Juli 2009 auf der sardischen Insel La Maddalena geht ebenso auf Sorus Initiative zurück wie der weitgehende Rückzug der amerikanischen Atom-U-Boot-Flotte aus der Straße von Bonifacio.
Außerdem versuchte der selbstbewusste Sarde mit einer Reform des Regionalstatuts und mehreren Verwaltungsrefomen für eine schlankere und effizientere Regionalverwaltung zu sorgen und setzte sich für eine weitgehende Informatisierung von Verwaltungsprozessen ein.

In die Amtszeit Sorus fallen auch mehrere Skandale und pressewirksame Kampagnen gegen den streitbaren Gouverneur. Für öffentliches Aufsehen sorgte seine vermeintliche Einflussnahme auf die Ausschreibung einer Werbekampagne für die Region Sardinien sowie Verfahren um diverse Besitzungen des Unternehmers in Villasimius und an der Costa Verde. Als Soru in einem Akt der Solidarität vor einem Jahr vorübergehend neapolitanischen Hausmüll in sardischen Müllverbrennungsanlagen verwerten ließ, flogen Steine und Wurfgeschosse auf sein Privathaus.

Sein eigensinniger Führungsstil brachte Soru aber im eigenen politischen Lager nicht nur Freunde ein. 2007 verlor er die Wahl zum Regionalsekretär der neuformierten italienischen Linkspartei Partito Democratico (PD) und in der Vertrauensabstimmung 2008 verweigerte ihm seine linke Parlamentsmehrheit ihr „si“ für seine politische Marschrichtung. Aufgrund des engen Zeitrahmens zwischen Rücktritt und Neuwahl, der keine Zeit für Parteitage oder Vorwahlen lässt, hat sich Soru quasi selbst wieder zum Spitzenkandidaten der Linkspartei nominiert.

Der rechtspopulistische Gegenkandidat Sorus, der 49-jährige Ugo Cappellacci aus Cagliari, wurde von Parteichef Silvio Berlusconi auf seiner sardischen Privatvilla Certosa in Porto Rotondo höchst persönlich nominiert. Der Finanzbürgermeister der Inselhauptstadt Cagliari gilt als bodenständiger Haushaltsexperte, der sich auch in der Jugendförderung verdient gemacht hat. In der Regionalpolitik war der dreifache Familienvater bisher weitgehend unbekannt.

Der nur etwa vier Wochen andauernde Wahlkampf um das sardische Spitzenamt wird aller Voraussicht nach mit harten Bandagen ausgetragen. Cappellacci kann auf die massive Unterstützung von Silvio Berlusconi hoffen und Renato Soru tritt mit einem massiven Internetwahlkampf mit Blogs, Videos und Foren und einer kräftigen Portion Regionalpatriotismus und Wahlsprüchen wie „Meglio Soru. Testardo, introverso, orgoglioso, insomma sardo." („Besser Soru. Dickkopf, introvertiert, stolz, eben sardisch ”) an. Während Soru eher auf dem Land Chancen zugerechnet werden, wird der Rechtskandidat wohl vor allem im dichtbesiedelten Süden der Insel Erfolge erzielen können.

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Mittwoch, 26. November 2008

Der sardische Gouverneur Soru tritt zurück: „Das war nicht mein letzer Tag in der Politik“

Der sardische Gouverneur Renato Soru hat am gestrigen Dienstagabend seinen Rücktritt erklärt. „Ohne Vertrauen kann man nicht regieren“ erklärte der 51-jährige Regierungschef vor dem sardischen Regionalparlament in Cagliari. Seinem Rücktritt war eine Abstimmung über das sardische Raumplanungsgesetz „legge urbanistica“ vorangegangen, an das Soru eine Vertrauensabstimmung geknüpft hatte. Das Raumentwicklungskonzept, das nach dem bereits verabschiedeten Küstenschutz auch Bebauungsvorschiften für das sardische Inland festsetzen will, war in der Mitte-Links-Regierung heftig umstritten. Der Regierungschef hatte deshalb mit Rücktritt gedroht, sollte das Gesetz keine Mehrheit im Parlament finden. Seinem Rücktritt kommentierte Soru mit den Worten: „Das war nicht mein letzter Tag in der Politik“. Tatsächlich sieht das sardische Regionalstatut eine Übergangszeit von 30 Tagen vor. Erst danach ist der Rücktritt des Regionalpräsidenten definitiv und innerhalb von 60 Tagen muss neu gewählt werden.

(Foto: Renato Soru, http://www.sardinien.com/)

>> Mehr Informationen bei L’Unione Sarda
>> Mehr Informationen bei La Repubblica
>> Zusammenfassung der politischen Reaktionen bei La Nuova Sardegna

Timo Lutz

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Freitag, 15. Februar 2008

Tempus de Baristas – Doku aus Sardinien im Sardischen Kulturzentrum Berlin

Am 16. Februar 2008 um 15.00 Uhr präsentiert das Sardische Kulturzentrum Berlin den Dokumentarfilm "Tempus de Baristas" von David Macdougall.
Der Film aus dem Jahr 1992/1993 wurde vom Istituto Superiore Regionale Etnografico (Nuoro) und der Londoner BBC produziert und auf Sardisch mit englischen Untertiteln aufgeführt. Mehr Informationen finden Sie auf der Website des Sardischen Kulturzentrums Berlin http://www.sardanet.de/. Hier ein Auszug aus der Filmbeschreibung:

Der amerikanische Regisseur beschreibt die Charaktere und das soziale Dilemma dreier Generationen sardischer Berghirten. Der Jüngste, noch ein Schüler, wird das Hüten aufgeben, da sich ihm mehr Möglichkeiten bieten als den beiden älteren Männern zu ihrer Zeit. Sie haben sich zu ihrem Lebensweg verpflichtet, wobei dies für den einen Ehelosigkeit bedeutet hat und für den zweiten andere Arten von Erschwerungen. Der Film veranschaulicht Aspekte der Transformation pastoraler Gemeinschaften, zum Beispiel unter dem Druck fallender Produktionskosten, sozialer Aufstiegschancen und besserer Arbeitsbedingungen.


Nach der Filmvorführung ist eine Diskussion mit Teilnehmern des Seminars "European Cameras: The seeds of deconolization" des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität Berlin, unter der Leitung des Filmemachers Marius Holden sowie ein Weinumtrunk vorgesehen. Wer zu der Filmvorführung nicht kommen kann, der kann den Film in voller Länge auch auf der Website der Regione Autonoma della Sardegna herunterladen (Sardisch mit italienischen Untertiteln)

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